Karlrobert Kreiten


Karlrobert Kreiten

Karlrobert Kreiten wuchs in einer musikalischen Familie auf. Seine Eltern waren die Mezzo-Sopranistin Emmy Kreiten, geb. Liebergesell (1894–1985) und der niederländische Komponist und Konzertpianist Theo Kreiten (1887–1960). Deren erste Tochter Marie-Therese starb im Jahre 1914 wenige Tage nach der Geburt. 1917 zog die Familie von Bonn nach Düsseldorf, nachdem sein Vater eine Stelle als Dozent am Buths-Neitzel-Konservatorium angenommen hatte. 1918 wurde seine Schwester Rosemarie Sofie Kreiten geboren. Seine musikalischen Eltern luden oft zu Hauskonzerten und Gesangsabenden ein und Karlroberts Elternhaus galt bald als ein Mittelpunkt der musikalischen Gesellschaft Düsseldorfs.

Im Alter von zehn Jahren hatte Karlrobert Kreiten sein Debüt mit einem Mozart/Schubert-Programm in der Tonhalle Düsseldorf. 1929 begann er eine professionelle Ausbildung als Pianist und studierte bis 1934 bei Peter Dahm an der Kölner Hochschule für Musik. 1933 gewann der Sechzehnjährige als einer der jüngsten von 252 Teilnehmern den Internationalen Wettbewerb für Klavier von Wien - in der Jury saßen u. a. Wilhelm Backhaus, Alfred Cortot, Emil von Sauer und Moriz Rosenthal - und wenige Monate später den Großen Mendelssohn-Preis in Berlin, der unter allen Schülern deutscher Hochschulen ausgetragen wurde. Bei Hedwig Rosenthal-Kanner, der Ehefrau von Moriz Rosenthal, setzte Kreiten sein Studium von 1935 bis 1937 fort.

Ende 1937 siedelte er nach Berlin über, gab ein glänzend kritisiertes Konzert im Beethovensaal und wurde Meisterschüler von Claudio Arrau. Arrau, selbst ein ehemaliges Wunderkind und in Deutschland ausgebildet, urteilte noch 1983: „Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind. Wäre er nicht durch das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende hingerichtet worden, so hätte er, ohne Zweifel, seinen Platz als einer der größten deutschen Pianisten eingenommen. Er bildete die verlorene Generation, die fähig gewesen wäre, in der Reihe nach Kempff und Gieseking zu folgen.“

Kreitens Karriere verlief bis 1943 höchst erfolgreich, vor allem mit Werken von Beethoven und Komponisten der Romantik, aber auch von zeitgenössischen Musikern wie Igor Strawinsky und Serge Prokofieff.

Als Kreiten sich in privatem Kreis abfällig über den Nationalsozialismus äußerte und den Krieg als verloren bezeichnete, denunzierte ihn die Nationalsozialistin Ellen Ott-Monecke, eine Jugendfreundin seiner Mutter. Die Sopranistin Tiny Debüser war ebenfalls maßgeblich an dem Verrat beteiligt. Am 3. Mai 1943 wurde er in Heidelberg, wo er ein Konzert geben wollte, von der Gestapo verhaftet. Nach vier Monaten Haft kam es zum Prozess vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz Roland Freislers, in dem Kreiten wegen Wehrkraftzersetzung am 3. September 1943 zum Tode verurteilt wurde. Mehrere Gnadengesuche (u.a von Wilhelm Furtwängler) kamen zu spät. Denn Karlrobert Kreiten wurde schon am 7. September 1943 zu Beginn der Plötzenseer Blutnächte mit anderen Mitgefangenen im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee erhängt.

Quelle: Wikipedia