Bildende Kunst mit Weltruf


Beuys, Immendorf, Lüpertz, um nur einige zu nennen...

1819 wurde die alte Kunstschule als „Königlich-Preußische Kunstakademie“ neugegründet. Und bis heute bildet die Akademie mit ihrer Ausstrahlung eine der bedeutendsten Säulen der Kunststadt Düsseldorf.

Unter ihrem ersten Direktor Peter von Cornelius noch ein Zentrum nazarenisch-romantischer Malerei, entwickelte sich die Akademie im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Wilhelm Schadow zu einer Institution, deren Ruf weit über die Landesgrenzen hinausging – und der junge Maler aus Skandinavien, Rußland und Amerika zur Ausbildung nach Düsseldorf zog. Die Landschaftsmalerei der „Düsseldorfer Malerschule“, mit der sich die Namen von Andreas und Oswald Achenbach verbinden, verbreitete sich bald in ganz Europa. Auch der Beginn der Moderne markiert einen Höhepunkt in der Geschichte der Akademie: Künstler wie Heinrich Campendonk, Otto Pankok, Edward Mataré oder Paul Klee sowie kämpferische Galeristen wie Alfred Flechtheim und die legendäre Johanna „Mutter“ Ey stärkten das Ansehen der Schule weiter.

Der Zeit des Nationalsozialismus markiert einen Tiefpunkt Düsseldorfer Kunstgeschichte, verbunden mit der Diffamierung verdienter Künstler und dem Entzug von Lehrbefugnissen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Avantgarde jedoch rasch einen neuen Aufschwung: Die Gruppe ZERO mit Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker organisierte von Düsseldorf aus eine Fülle von Ausstellungen und spektakulären Aktionen. Auch das Akademie-Neumitglied Joseph Beuys zog zahlreiche andere künstlerische „Unruhestifter“ an: Die Protagonisten von Neo-Dada und Happening, Nam June Paik, George Maciunas und andere mehr, hatten 1963 auf dem Fluxus-Festival in der Aula ihren ersten großen Auftritt. Die im gleichen Jahr organisierte „Demonstration für den kapitalistischen Realismus“ rückte drei andere junge Maler erstmals ins Rampenlicht: Gerhard Richter, Sigmar Polke und Konrad Lueg – letzterer bald als Konrad Fischer einer der einflußreichsten Galeristen für Konzept- und Minimal-Art, die beiden ersteren heute unbestrittene Granden der weltweiten Kunstszene. Die 60er und 70er Jahre waren zudem von einer einmaligen Konstellation geprägt: Die Kunstakademie, die enthusiastischen Sammler des Kunstvereins in der neu gebauten Kunsthalle und die mutige Generation um Beuys und seine Schüler sorgten im Zusammenspiel dafür, daß Düsseldorf zum Brennpunkt der Avantgarde wurde. Die progressiven Galerien um Fischer, Mayer und Schmela bündelten die Kräfte der internationalen Kunst verkaufwirksam und sorgten so nicht zuletzt für den Boom der Düsseldorfer Galerienszene.

Die „Erfolgsgeschichte“ der Kunstmetropole riß auch in den 80er Jahren nicht ab: In dieser Zeit war Düsseldorf die Stadt, aus der die meisten an der documenta teilnehmenden Künstler kamen. Und in den 90er Jahren trat die Landeshauptstadt vor allem in der künstlerischen Fotografie hervor – mit dem sachlichen Stil, der als „Becher-Schule“ bald weltweite Anerkennung und Nachahmer finden sollte, wurde erneut Kunst(markt)geschichte geschrieben. Düsseldorf ist dabei immer auch die Stadt der Künstler geblieben: Der kürzlich verstorbene Maler Jörg Immendorff, Bildhauer Thomas Schütte und Fotograf Andreas Gursky leb(t)en und arbeiten hier – und nach wie vor steckt Düsseldorf voller hungriger Talente, die es hier zu entdecken gilt.

Doch nicht nur die lebendige Künstlerszene, sondern auch die Kuratoren der Stadt agieren auf internationalem Niveau. Wie Dr. Julian Heynen, künstlerischer Leiter des K21 (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen), der im Jahr 2005 zum zweiten Mal für den deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig verantwortlich zeichnete. Oder wie Beat Wismer: Der neue Chef des museum kunst palast ist gleichzeitig Direktor des renommierten Aargauer Kunsthauses Aarau/Schweiz. Und auch ihre jungen Kolleginnen in Kunsthalle und Kunstverein, Dr. Ulrike Groos und Dr. Vanessa Joan Müller, sorgen auf eigenen Wegen mit außergewöhnlichen Programmen für internationale Aufmerksamkeit. Aber ganz gleich, wie unterschiedlich die Herangehensweisen von Kuratoren, Galeristen, Sammlern und Künstlern auch sein mögen: Die in Düsseldorf versammelte Kunstvielfalt und ihre herausragende Qualität beweist, daß diese Stadt den Geist der Kunst noch lange atmen wird.