Kulturelle Blüte dank Jan Wellem


Der in Düsseldorf geborene Regent brennt vor Ehrgeiz, ein Stück Versailler Pracht an den Rhein zu holen.

Mit Kurfürst Johann-Wilhelm, vom Volk schnodderig Jan Wellem genannt, spielte die kleine Stadt an der Düssel kulturell endgültig in der europäischen Liga mit, - unter kräftiger florentinischer Finanzhilfe. Der in Düsseldorf geborene Regent brennt vor Ehrgeiz, ein Stück Versailler Pracht an den Rhein zu holen. Als ranghöchster Kurfürst des Reiches gelingt es ihm, eine Tochter aus dem reichen Hause Medici zu ehelichen. Anna-Maria-Ludovica bringt im Juli 1691 neben einem prunkvollen Hofstaat auch bankkundige Berater (die ersten internationalen Banker!) und bedeutende italienische Künstler an den Rhein. Hervorgehoben sei hier nur der flämische Bildhauer italienischer Herkunft Gabriel de Grupello, der die Tradition der Rubens-Schule in Düsseldorf einführt und unter anderem das „Jan Wellem“-Reiterstandbild entwirft. Es steht heute noch großartig vor dem barocken Rathaus.

25 Jahre dauert die Blütezeit unter dem kunstbesessenen und ehrgeizigen Ehepaar, das sich teilweise gegen die Räte der Stadt durchsetzen muss. Es wird eine Kunstschule gegründet, der Düsseldorfs Ruf als internationale Kunststadt begründet, eine bis heute renommierte Gemäldegalerie aufgebaut (heute wesentlicher Bestandteil der Alten Pinakothek in München), eine neue Oper erbaut und mit Graf Mattheo Alberti der erste Düsseldorfer Generalintendant ernannt. Das Haus leistet sich mit Hugo Wilderer einen eigenen Komponisten.
Aber auch in die Infrastruktur investiert Jan Wellem, weshalb er wohl bis heute der beliebteste Landesvater ist. Die Straßen der Innenstadt werden endlich gepflastert und 383 Öllaternen aufgestellt, was damals ziemlich innovativ war. Selbst die zur Reformationszeit beinhart ausgetragenen Glaubenskämpfe finden unter dem rheinländischen Fürsten eine versöhnliche, wenn auch etwas hinterfotzige, Lösung.
Bereits 1684 steht eine evangelische Kirche im Herzen der Altstadt. Auch wenn die Passanten die Neanderkirche von der Bolker Straße her nicht sehen konnten. Die Neanderkirche in der Düsseldorfer Altstadt ist die älteste evangelische Kirche in Düsseldorf (fertiggestellt 1684) und wurde als reformierte Hallenkirche gebaut. Das nach dem Kirchenmusiker Joachim Neander benannte Gotteshaus wurde in den Hinterhof hineingebaut. Jan Wellem handelte nach der Devise, dass jeder nach seiner Façon leben solle, aber sehen muss man es ja nicht. Insofern ist die reformierte Hallenkirche bis heute ein barockes Denkmale gelebter Toleranz.

Aus Jan Wellems glanzvoller Zeit müssen wohl die Vorurteile stammen, die bis heute neidvolle Zeitgenossen kolportieren, so beispielsweise: der Düsseldorfer könne sich besonders gut in Szene setzen. ...mehr