Apropos Uzarski - Die frechen Anmerkungen des Hundes Möppi zur Kleinbürgerwelt und zum Hurrapatriotismus reizen noch heute zum Lachen.


Uzarskis Erzähltechnik, eine Mischung aus innerem Monolog, subjektiver und assoziativer Reflektion, wird immer wieder mit Laurence Sterne verglichen.

Der Herausgeber der aktuellen Romanausgabe (1986), Mathias Jung, schwärmt: „Ob es Sternes empfindsamer Reisender von 1768 oder der bullige Weltenbummler Möppi von 1921 ist, Humor, schwebende Ironie und geistige Präsenz des Erzählers fesseln in beiden Fällen den Leser unentrinnbar.“ Otto Dix malte seinen schreibenden Malerkumpel. Uzarski als groteskes Spindelmännchen, als wäre er von E.T.A Hoffmann ersonnen, den überdimensionalen Zeigefinger mahnend erhoben. In Büchern und Zeichnungen persiflierte Uzarski das deutsche Wesen, was ihm zeitweise eine große Fangemeinde einbrachte, aber auch Gegner im reaktionären Lager. Bereit 1933 wurde er beim Westdeutschen Rundfunk als Mitarbeiter entlassen. 1935 standen Uzarskis Bücher auf der Liste des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. Ab 1941 hatte er Mal- und Schreibverbot und musste sich wenig später mit seiner Frau in Robertville, Belgien, verstecken. Kaum nach Düsseldorf zurückgekehrt, veröffentlichte er in Form eines Comik-Strips eine satirische Abrechnung mit Imperialismus und Krieg, Titel: „Die Insel“.

Adolf Uzarski hätte, wenn er einfach nur Werbegrafiker geblieben wäre, ein angenehmes Leben haben können. Sein Engagement für angewandte Kunst nahm die späteren Aktionen von Charles Wilp vorweg. Dem gebürtigen Duisburger genügte die Werbekunst aber nicht. Er musste ein „Wachhund der Wahrheit“ bleiben. Und so zeichnete er Konrad Adenauer auf dem Titelblatt der satirischen Zeitschrift „Der neue Michel“ als Seiltänzer, mit rückwärtsgewandtem Gesicht einer neuen Kaserne entgegentanzend. Darunter die bissige Anmerkung: „Nach rückwärts, mit dem Gesicht nach vorn, dat is de jroße Kunst, meine Damen und Herren.“ In der auf Harmonie getrimmten Zeit des Kalten Krieges sind solche Sottisen nicht beliebt. Sein letztes Buch „Panoptikum, Narren, Gauner, Biedermänner“ findet wegen seiner gesellschaftskritischen Töne nur im sozialistischen Ostberlin einen Verleger. War man in Westdeutschland überhaupt nicht amüsiert. 1970, wenige Wochen nach der ehrenvollen Präsentation seiner graphischen Arbeiten im Stadtmuseum Düsseldorf, starb der zeichnende Literat Adolf Uzarski mit 85 Jahren, fast vergessen. Ein Land „mit spärlichem Humorhaushalt“ (Alexander Mitscherlich) braucht aber Geschichten wie „Möppi“.

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