Das Vergessen kann Uzarskis Weggefährten Hans Müller-Schlösser (1884-1956) nicht passieren.


Der hatte zwar gemeinsam mit Uzarski 1928 eine Mundart-Revue unter dem Titel „Groß Gedöhns um e klee Döske“ (ein Flop) für das Düsseldorfer Schauspielhaus erarbeitet, aber damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten.

Bissig war Müller-Schlössers Humor nie. Seine Parteinahme für die kleinen Leute und deshalb auch die Wahl der Mundart hat nichts Klassenkämpferisches. Die neuen Zeiten mit ihren Zumutungen werden in schlitzohriger Schweijk-Manier bekämpft. Wobei die rheinisch-katholische Tradition der Heimat gegenüber französischen und preußischen Einflüssen bewahrt werden muss. Bei dem Humoristen Müller-Schlösser steigen auch die Brauchtumsgruppen mit ins Boot. Zumal er gebürtiger Düsseldorfer ist. Mit dem unglaublichen Erfolg der Komödie „Schneider Wibbel“ erhebt er den Dialekt der katholischen Altstädter zur deutschen Nationalliteratur.

Bereits mit 29 Jahren gelingt dem Lokalredakteur und Verfasser von Mundarterzählungen dieser Theatercoup, den er mit keinem weiteren Stück auch nur annähernd wiederholen wird. Tausende von deutsch- und fremdsprachigen Aufführungen, drei Verfilmungen, eine Musiktheater- (1938), eine Ballet - (1947) und eine Musicalbearbeitung (1984) listet der Theaterwissenschaftler Winrich Meiszies auf. Hinzu kamen Stückfortsetzungen wie „Wibbels Auferstehung“ (1926). Trotz dieser kommerziellen Erfolge setzte die Stadt Düsseldorf ihrem vielfach geehrten Heimatdichter in den letzten Jahren eine Leibrente aus, damit der Dichter sein täglich Altbier weiter trinken konnte. Das Brauhaus Uerige, eine seiner Stammkneipen, beherbergt seit Jahrzehnten eine Schneider-Wibbel-Stube, in der die Schauspieler der Düsseldorfer Uraufführung verewigt sind.

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