Heinrich Spoerl - Die Feuerzangenbowle war der Startschuss für eine beispiellose Autorenkarriere.


Einen vergleichbaren Bestseller landete Müller-Schlössers Schulkamerad Heinrich Spoerl ebenfalls fast aus dem Stand mit dem heiteren Roman „Die Feuerzangenbowle“. Bis dahin hatte er gerade mal ein paar Zeitungstexte und einen Schwank geschrieben (1931) und ansonsten als Rechtsanwalt gearbeitet.

Hans Müller-Schlösser, der mit Spoerl schon als Sekundaner ein literarisches Lesekränzchen unterhielt, wohnte dem ersten Plädoyer seines Jugendfreundes bei und schilderte es wie folgt: „Er wollte einen Spitzbuben freikriegen. Richter, Beisitzer und Publikum bogen sich vor Lachen. Der arme Sünder wurde zwar verknackt, aber zum kleinsten Strafmaß.“
Diesen Witz vermag der 1887 in Düsseldorf geborene Spoerl auf seine Literatur fulminant zu übertragen. Der 1933 bei Droste erschienene Schulroman im unangestrengten Plauderton kam gleich mit einer Startauflage von 20.000 Exemplaren auf den Markt. Der Schwager des Verlegers, der Künstler Otto Pankok, schuf das Cover. Just in einer Zeit, in der es nichts zu lachen gab, schlug die Bowle wie eine Bombe ein. Aber die Geschichte von Dr. Pfeifer, der sich mit Nickelbrille, Jünglingsanzug und gestutztem Haar noch einmal auf die Schule begibt, gehört bis heute zu den meistverlangten Büchern humoristischen Inhalts.

Die Feuerzangenbowle war der Startschuss für eine beispiellose Autorenkarriere in der ersten Jahrhunderthälfte. Seine in rascher Folge erscheinenden Romane, - der „Maulkorb“ (1936) sei hier noch erwähnt -, werden allesamt verfilmt, die „Feuerzangenbowle sogar dreimal. Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt bei 5 Millionen Exemplaren.

Alexander Spoerl, ebenfalls in Düsseldorf zur Welt gekommen (1917) und dort zur Schule gegangen, profitierte von den Schreibgenen seines Vaters und erbte auch seinen trockenen Humor. Wobei der Hang zur Unterhaltung die Spoerls nicht zu bequemen Staatsbürgern machte. In Berlin stand der Erfolgsautor Heinrich nicht für Goebbels´ Propagandamaschine zur Verfügung. Sohn Alexander schloss sich gar der Widerstandsorganisation „Rote Kapelle“ an und sammelt Bildmaterial über Gewaltverbrechen an der Ostfront. Seine Kampfgefährtin Libertas Schulze-Boysen wurde 1942 bei einer Flugblattaktion erwischt und hingerichtet. Ihr widmete Alexander Spoerl 1950 seinen ersten eigenständigen Roman, „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“, der auch sein erfolgreichster sein sollte. Trotz des leichten Tons gelang es Spoerl in diesem Buch, das Leid des 3. Reiches immer wieder ironisch durchschimmern zu lassen. Beide Spoerls starben im Familienhaus am Tegernsee, Vater 1955, Sohn 1978.

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