Auch Herbert Eulenberg (1876-1949) wusste seine Bekanntheit durch Skandale zu steigern.


Aber sie betrafen sein Werk, weniger den Lebenswandel Wobei seine Arbeiten laut Joseph A. Kruse „nicht ohne einen Konservatismus“ waren.

Trotzdem: die Uraufführung seines Theaterstücks “Blaubarts Burg“1906 in Berlin schockierte die Öffentlichkeit. 1911 handelte Eulenberg sich mit seinem „Brief eines Vaters unserer Zeit“, erschienen in der Zeitschrift „Pan“, einen Prozess wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften ein. Die Schauspielerin Louise Dumont fand den jungen Autor so spannend, dass sie ihm an ihrem gerade gegründeten Theater in Düsseldorf eine Dramaturgenstelle anbot. Der knapp Dreißigjährige durfte gar die später so berühmte Bühne mit einem selbstverfassten Prolog eröffnen. Als Dramaturg kümmerte sich Eulenberg auch um die Hauszeitschrift „Masken“ und um die sonntäglichen „Morgenfeiern“, die als „Dichter- und Tondichter-Matinéen schnell sehr beliebt wurden.

1913 landete er mit dem neuromantischen Versdrama „Belinde“ seinen größten Bühnenerfolg und wurde mit dem begehrten „Volkes-Schillerpreis“ ausgezeichnet, den auch schon Gerhard Hauptmann erhalten hatte. Eulenberg zählte in dieser Zeit zu den meistgespielten Dramatikern in Deutschland. Sein vielseitiges Schaffen wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Auch im Ausland genoss der Pazifist und Humanist Eulenberg hohes Ansehen. Auf einer Vortragsreise durch die USA durfte er 1923 als zweiter Deutscher nach Albert Einstein in der Columbia University lesen. 1946 verlieh ihm die Stadt Düsseldorf die Ehrenbürgerwürde. Kein Geringerer als Thomas Mann hielt die Laudatio und nannte ihn einen „Ehrenbürger der Welt“. Gemeinsam mit seiner Frau Hedda, einer erfolgreichen Übersetzerin, führte er in Kaiserswerth ein offenes Haus, das zum „Mittelpunkt literarisch-künstlerischer Geselligkeit „ (Kruse) wurde. Es muss wohl dort auch recht offen räsonniert worden sein. Nicht umsonst hieß die Villa direkt am Rhein „Haus Freiheit“. Die Gästeliste liest sich wie ein Who is Who der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhundert. Genannt seien nur Gerhard Hauptmann, Carl Zuckmayer, Franz Werfel, Thomas Mann, Max Pechstein, Otto Dix (der Eulenberg auch malte), Alexander Moissi und Richard Strauss. Durch die Kunstakademie lernte Eulenberg viele Maler kennen und unterstützte sie. Gemeinsam mit den bildenden Künstlern Arthur Kaufmann und Adolf Uzarski gründete er die Künstlervereinigung „Das junge Rheinland“. Mittelpunkt der Künstlergruppe, die sich vor allem um Ausstellungsmöglichkeiten kümmerte, bildete die Altstadt-Galerie „Junge Kunst – Frau Ey“.

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