Der Berliner Wolf von Niebelschütz (1913-1960) war als Soldat eher froh, um einen Kopfschuss herumgekommen zu sein.


So unterschiedlich sind Lebensziele. Dem Horror des zweiten Weltkriegs und der tristen Nachkriegszeit entfloh er in eine Welt der rokokohaften Lebenslust und der komischen Oper.

Dem Horror des zweiten Weltkriegs und der tristen Nachkriegszeit entfloh er in eine Welt der rokokohaften Lebenslust und der komischen Oper. Mit „Der blaue Kammerherr“ veröffentlichte Niebelschütz 1949 einen wunderbar phantasievollen Roman, in dem ein Loblied einer früheren Zeit mit mythologischen und märchenhaften Elementen beschworen wird. Die Geschichte um die blutjunge Thronerbin Danae traf den Nerv der Zeit. Die Kritik delektierte sich an der Schönheit, Poesie und Kunstfertigkeit des Werks. Der barocke Roman hatte großen Erfolg, vor allem weil das Publikum sich wegsehnte von „der Fixierung auf Trauer, Elend und Hunger, auf Gewissenserforschung und Selbstrechtfertigung“ (Heinrich Vormweg). 1951 erhielt der ungewöhnliche Fabulierer dafür den renommierten Immermann-Literaturpreis der Stadt Düsseldorf.

Der nach dem Krieg in Hösel bei Düsseldorf lebende Autor schrieb einen zweiten, recht opulenten Roman, „Kinder der Finsternis“, 1959, erschienen, dessen Sprachgewalt ebenfalls hoch gelobt wurde. Eckhard Henscheid nannte diesen Text noch Jahrzehnte später einen „Großroman“. Bereits 1960 verstarb Niebelschütz, Inhalt und Stil seiner Romane blieben eine Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literatur.

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