Initiativkreis Kultur Notizen zur Geschichte der Deutschen Oper am Rhein  · 

Notizen zur Geschichte der Deutschen Oper am Rhein


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Was war? Was bleibt? Was ist? Kardinalfragen nicht nur der Politik, sondern auch der Kultur und damit auch des Theaters. Mitte der Fünfzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts stellten sich kluge vorausschauende Kommunalpolitiker Düsseldorfs und Duisburgs diese Fragen und ergänzten: Was wird ? Es wurde daraus die Theatergemeinschaft zweier Städte, die gemeinsam die finanzielle Last und Verantwortung für ein überregionales Musiktheater übernahmen. Es war ein mutiges Unterfangen und wie üblich unkte die regionale Presse ein vorprogrammiertes Scheitern herbei. Als aber durch konsequentes Handeln 1956 die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg gegründet und eröffnet worden war, wurde gejubelt. Das "Experiment" hält nun über ein halbes Jahrhundert und - falls es weiterhin kluge und vorausschauende Politiker gibt - noch viele weitere Dezennien.

Beide Städte verfügen über repräsentative Theaterbauten. Das Opernhaus Düsseldorf, 1875 von dem Architekten Ernst Giese erbaut, wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 zerstört, 1944 provisorisch für drei Monate wieder bespielt, bevor in sämtlichen Theatern Deutschlands offiziell die Lichter ausgingen, obwohl sie überwiegend ohnehin bereits Ruinen waren. Nach Kriegsende wanderte zum Beispiel die junge Martha Mödl, wie sie mir erzählte, über die Müngstener Brücke, um den im Krieg geschlossenen Vertrag "mit dem großen Hakenkreuz darauf" dem Intendanten Wolfgang Langhoff in Düsseldorf vorzulegen. "Oben im Opernhaus war alles kaputt, aber im Parterre saß der gütige, wirklich gütige Langhoff und sagte: Na, selbstverständlich gilt der Vertrag". So blühte das neue Leben aus den Ruinen und Martha Mödl sang die nächsten vier Jahre in Düsseldorf, bevor sie von Hamburg aus ihre Weltkarriere startete: mit Dorabella, Carmen, Octavian, Komponist, Cherubin, später Azucena, Eboli, Venus, Wozzecks Marie, Isolde. Und fuhr, wie sich der langjährige Oberbürgermeister Duisburgs, Josef Krings, erinnerte, nach der Vorstellung zur Freude der Fahrgäste mit der Rheinbahn durch die Trümmerlandschaft nachhause.
1954/55 wurde das Opernhaus Düsseldorf neu gestaltet und Robert Pudlich, bildender Künstler und Bühnenbildner von Gustaf Gründgens, entwarf die Reliefs an den seitlichen Außenwänden.
Das Theater der Stadt Duisburg, von dem Dresdener Baumeister Martin Wülfer 1912 im spätklassizistischen Stil erbaut, ereilte das gleiche Schicksal wie das Düsseldorfer Haus. 1942 im Krieg zerstört, evakuierte man das Ensemble auf Anordnung von Joseph Goebbels nach Prag. Dort spielte es, bis 1944 sämtliche Theater geschlossen wurden. 1950 baute man das Theater der Stadt Duisburg wieder auf.

Der Gedanke einer Theatergemeinschaft zweier Städte war nicht neu, aber auch nicht gerade bestens erprobt. Düsseldorf und Duisburg hatten es schon einmal gewagt und zwar von 1887 - 1921, immerhin mehr als dreißig Jahre. Doch offenbar kriselte es in dieser Theaterehe und so kam es 1921-1935 zum Seitensprung Duisburgs mit dem Bochumer Schauspiel unter der künstlerischen Leitung des Bochumer Regisseurs Saladin Schmitt. Auch nach dem Krieg spielten im Theater der Stadt Duisburg überwiegend die Bochumer, aber auch Ensembles aus Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Köln und Wuppertal. Duisburg hatte damals kein eigenes Ensemble.

Die Vorgeschichte

Was war? Was blieb? - Wo beginnt die Theatergeschichte der Landeshauptstadt Düsseldorf, sieht man einmal von den Theatertruppen ab, die rheinauf und rheinab durch die Lande zogen? Nachzulesen in Heinrich Riemenschneiders fundiert recherchierten zweibändigen Theatergeschichte. Jede kulturelle Stadtgeschichte basiert auf Fundamenten. So auch die Theatertradition Düsseldorfs und Duisburgs und umso beständiger, da ab und zu frischer Wind von außen wehte. Die eben mal fünfundfünfzig Jahre junge Institution Deutsche Oper am Rhein entstand ja nicht mit einem Federstrich aus dem Nichts.

Alles begann mit einer Ehe, nämlich der des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz mit der schönen und nicht unbetuchten Florentinerin Anna Maria Luisa, Tochter des Großherzogs von Toscana, Cosimo III. Die kunstsinnige Mediceerin aus der damaligen Metropole Florenz muß sich im Städtchen Düsseldorf, in dem auch keineswegs komfortablen Schloß am Rhein nicht schlecht gelangweilt haben. Deshalb sammelte sie mit ihrem Mann in ganz Europa Kunstgegenstände und Gemälde. Außerdem ließ sie aus Florenz ein bißchen mehr Leben kommen: italienische Sängerinnen und Sänger für die Aufführungen barocker Opern. 1746 wurde ein kurfürstliches Komödienhaus erbaut und, was damals keineswegs selbstverständlich war, die Untertanen waren zugelassen. Allerdings durften sie auch zahlen. Als Kurfürst Jan Wellem, wie die Düsseldorfer ihn nannten, starb, verschwanden die Kunstschätze aus dem Schloß, zum Teil zu den Erben Richtung Münchner Pinakothek, zum Teil mit Anna Maria Luisa zurück nach Florenz. Das Theater jedoch stand und ging 1818 in den Besitz der Stadt Düsseldorf über.

Verschiedene Theatergesellschaften spielten in diesem Komödienhaus bis 1832 ein eigenes Stadttheater erbaut wurde. Nun regierte keine Liebhaberei mehr, sondern professioneller Kunstverstand die Bühne. Karl Immermann, Jurist, Theaterautor und Romancier engagierte Felix Mendelssohn-Bartholdy als Dirigenten und Musikdirektor und den genialen Christian Dietrich Grabbe als Dramaturgen, der Immermann "Geist und kräftigen Willen" bescheinigte, die "Musterbühne" zu leiten. Grabbe, Autor scharfsinniger Theaterkritiken von Oper und Schauspiel und Dramatiker avantgardistischer Szenenfolgen, die im rasenden Wechsel gleichsam filmische Sequenzen vorwegnehmen, starb 1836 von Alkohol zerrüttet. Daß ausgerechnet dieser in der Phantasie mächtige und im Leben elende und zerrissene Charakter von den Nationalsozialisten genau hundert Jahre später mit Grabbe-Festwochen vereinnahmt und als Nationaldichter gefeiert wurde, hätte sein Zeitgenosse Heinrich Heine gewiß sarkastisch kommentiert. In Grabbes, die Vergessenheit überlebenden Schauspiel "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" berührt am Ende der Auftritt des "vermaledeiten Grabbe" selbst, der als Autor auf der sich eindunkelnden Bühne mit einer Laterne die von ihm erfundenen Figuren sucht, bevor der Vorhang fällt. Vielleicht suchte er in seiner Phantasie wie Diogenes mit dem Licht der Lampe "einen Menschen". Wahrscheinlich hatte Grabbe ihn nur in Immermann gefunden. Dieser starb 1840, nachdem er sein Unternehmen, dem Theater Düsseldorfs Stil und Richtung zu geben, scheitern sah. Die Düsseldorfer, ein amüsables Völkchen, waren noch nicht so weit, seinem Kunstverstand zu folgen. Das Interesse der Stadt verlagerte sich ausschließlich auf die Musik, als 1850 Robert Schumann die Position des Städtischen Musikdirektors antrat und mit Clara Schumann nach Düsseldorf zog.

1887 beschlossen Düsseldorf und Duisburg die Theateraufführungen gemeinsam zu finanzieren. 1905 gründete Louise Dumont, damals eine der bedeutendsten Schauspielerinnen auf den Bühnen von Berlin, Stuttgart und Wien, sowie durch Gastspielreisen in Europa bis nach Moskau und St. Petersburg bekannt, mit ihrem Mann, dem Schauspieler und Regisseur Gustav Lindemann das Neue Düsseldorfer Schauspielhaus. Es sollte bewußt an das kulturelle Wirken Karl Immermanns anschließen.Das Dumont-Lindemann-Ensemble gehörte zu den berühmten stilbildenden Theatern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Auswirkungen des ersten Weltkriegs allerdings, die Besetzung des Rheinlands, die inflationären Zeiten schwächten die künstlerischen Intentionen Louise Dumonts. Als sie 1932 starb, war ihr Stil pathetisch geworden und längst von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit überholt. Das was blieb, war das renommierte Dumont-Lindemann-Archiv, ein Schatz als Basis des Düsseldorfer Theatermuseums. 1933 war der Traum von der Freiheit des Geistes, nicht nur an den Theatern, ohnehin vorbei und viele der verfolgten Künstler und Künstlerinnen wurden gezwungen, Deutschland zu verlassen.
Von 1927 - 1937 übernahm Walter Bruno Iltz als Generalintendant die Städtischen Bühnen mit Oper und Schauspiel. Von den Berliner Bühnen Max Reinhardts und Leopold Jessners beeinflußt, bekam er bald Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten in Düsseldorf, die ihm 1937 seine Position entzogen. Er ging nach Wien und leitete dort das Volkstheater von 1937 - 1944 in den verordneten Spielplanrichtlinien, in deren Rahmen es ihm zuweilen möglich war, gefährdete Künstler zu schützen.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten die Städtischen Bühnen Düsseldorf von 1947 - 1955 wieder einen künstlerischen Höhepunkt unter der Generalintendanz des Schauspielers, Regisseurs und ehemaligen Generalintendanten der Preußischen Staatstheater, Gustaf Gründgens, der als junger Mann die Schauspielschule Dumont-Lindemann besucht hatte. Seine Inszenierungen im Schauspielhaus wie im Opernhaus Düsseldorf wurden legendär. So sang zum Beispiel in seiner Inszenierung von Mozarts "Die Hochzeit des Figaro die junge Martha Mödl den Cherubin unter der musikalischen Leitung von Heinrich Hollreiser. 1951 setzte Gründgens, der zwar Opern inszenierte, sich aber mit dem gesamten Apparat von Chor und Orchester nicht unbedingt beschäftigen wollte, die Gründung der Neuen Schauspiel GmbH durch und die Sparten Oper und Schauspiel wurden getrennt. Man holte erneut Walter Bruno Iltz als Generalintendanten und er führte die Oper bis 1955. Zu diesem Zeitpunkt ging Gründgens an das Deutsche Theater in Hamburg und die Zeit war reif für neue Impulse, die überwiegend von Duisburg ausgingen. Die beiden wirtschaftlich so unterschiedlichen Städte Düsseldorf und Duisburg gründeten die Theatergemeinschaft mit dem Namen Deutsche Oper am Rhein, die bis heute stabil blieb, wenngleich sich ihr Profil im Lauf der fünfeinhalb Jahrzehnte wandelte.

Deutsche Oper am Rhein
Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg
1956 - 1964

Professor Dr. Hermann Juch, gebürtiger Österreicher, Jurist und Sänger, wurde von 1956-1964 der erste Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein. Er war ein opernkundiger Mann und hatte von 1946-1955 als Direktor die im Krieg zerstörte Wiener Staatsoper in der Volksoper geleitet. Er holte als Generalmusikdirektor den namhaften Dirigenten Alberto Erede nach Düsseldorf-Duisburg, der von 1950 - 1955, neben seinen internationalen Verpflichtungen, das italienische Fach bei Rudolf Bing an der Metropolitan Opera New York dirigierte.

Am 29. September 1956 begann die künstlerische Zusammenarbeit im Opernhaus Düsseldorf mit der Premiere Elektra von Richard Strauss, Musikalische Leitung der Düsseldorfer Symphoniker Karl Böhm, Inszenierung Herbert Graf. Die Titelpartie sang Astrid Varnay. Einen Tag später, am 30. September, gab man im Theater der Stadt Duisburg Giuseppe Verdis Falstaff, in der Inszenierung von Günther Roth mit Otto Wiener in der Titelpartie. Arthur Grüber leitete die Duisburger Sinfoniker.

Als Professor Juch 1964 an das Opernhaus Zürich berufen wurde, hatte er die Deutsche Oper am Rhein geschickt durch manche Fährnisse der ersten Jahre mit ihren entsprechenden Unsicherheiten und Schwankungen gesteuert und eine Reihe hervorragender Sänger und Sängerinnen, überwiegend aus Wien, nach Düsseldorf und Duisburg geholt. Ihm zur Seite stand, nach dem Chefdramaturgen Reinhold Schubert, der Kulturjournalist und Kunsthistoriker Karl Ruhrberg, der später die bemerkenswerte Karriere vom Chefdramaturgen zum ersten Direktor der Düsseldorfer Kunsthalle machte und Mitbegründer des Museums Ludwig in Köln. Seine Publikationen über Kunst und Künstler Europas und Amerikas wurden Standardwerke. Als Hermann Juch die Deutsche Oper am Rhein verließ, - an der unter anderen Heinz Arnold, Werner Düggelin, Bohumil Herlischka, Wolfgang Liebeneiner, Leopold Lindtberg, Günther Rennert, Jean-Pierre Ponnelle inszenierten, Alberto Erede, Carlos Kleiber, Peter Ronnefeld, Robert Schaub, Fritz Zaun und Arnold Quennet dirigierten, Ingrid Bjoner, Astrid Varnay, Anneliese Rothenberger, Helmut Fehn, Kurt Gester, Alfons Holte, Hans Hopf und Otto Wiener sangen - hinterließ er seinem Nachfolger, als auch die erste Klippe der Vertragsverlängerung der Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg umschifft war, ein gut geführtes Haus mit profilierten Künstlern. In der Nachkriegszeit gab es an den meisten Theatern und Opernhäusern den exorbitanten Willen, Kultur in Deutschland wieder aufblühen zu lassen. Allein die Anzahl der Premieren, die mit ungeheurer Arbeit bewerkstelligt wurden, jagten einander, der Wunsch des Publikums lang Entbehrtes wiederzusehen, war enorm. Mit dem Ziel, die Neugründung der Deutschen Oper am Rhein zu stabilisieren, fanden in den acht Jahren der Intendanz von Hermann Juch einhundertachtundsiebzig Premieren in Düsseldorf und Duisburg statt. Der üppig ausgestattete Band DOR 50 Jahre Deutsche Oper am Rhein, 2006 herausgegeben, dokumentiert dies.

1964 - 1986

Professor Dr. Grischa Barfuss leitete von 1964 - 1986 als nächster Generalintendant die Deutsche Oper am Rhein. In Wilna geboren, kam er als Theater- und Musikkritiker von der Zeitung und war zwei Jahre Schauspieldirektor bei Karl Heinz Stroux am Düsseldorfer Schauspielhaus, an dem er, ausgewählte Werke begleitend, auch eine eigene Buchreihe herausgab.
Als Intendant der Wuppertaler Bühnen, die er zu einem beachteten Theater machte, edierte er die Theaterpublikation Theater und Zeit in Zusammenarbeit mit Helmut Henrichs, Gerhard F. Hering, K.H.Ruppel und H.H.Stuckenschmidt, einer Riege bekannter Theaterkritiker und Theaterfachleute. In Düsseldorf baute Grischa Barfuss, der übrigens auch Autor war, das erste Doppelinstitut zu einem international bedeutenden Haus aus, mit weltweit renommierten Sängerinnen und Sängern, die ein viel bewundertes Ensemble bildeten. Das Repertoire der Intendanz Barfuss übertraf das von Berlin, Hamburg und München.
In dieser Zeit, auch das muß einmal erwähnt werden, war es, wenn auch nicht überall, üblich, daß ein Intendant, wie dieser und der nächste bewiesen, gleicherweise in der Kenntnis von Oper und Schauspiel bewandert war, hinzugenommen die umfassende Personalkenntnis und kluge Beurteilung von Stimmen zum Aufbau von Zusammenklang und Zusammenspiel.
Das schließt auch die Förderung junger Talente ein.

Dr. Barfuss brachte aus Wuppertal sein eingeschworenes Team mit: den Regisseur Georg Reinhardt, den Bühnenbildner Heinrich Wendel, meinen Vorgänger als Chefdramaturg der Deutschen Oper am Rhein, Rolf Trouwborst, und den Choreographen Erich Walter, der, nachdem unter Hermann Juch der schöpferische Kurt Joos leider nach Essen abgewandert war, ein brillantes Ballettensemble etablierte. Er vergrößerte die Compagnie wesentlich und gewann auch durch das Engagement von Gastchoreographen wie Birgit Cullberg, Hans van Manen und John Cranko internationales Ansehen. 1973 wurde das neue Balletthaus in Düsseldorf-Oberkassel gebaut. Nach dem Tod von Erich Walter, im November 1983, übernahm Paolo Bortoluzzi - Star des Balletts des XX.Jahrhunderts von Maurice Bejárt in Brüssel - für acht Jahre die Leitung des Balletts der Deutschen Oper am Rhein. Schon in dieser Zeit arbeitete Heinz Spoerli fallweise als Gast für die Compagnie. Professor Kurt Horres verpflichtete ihn 1991 als Direktor und Choreograph bis 1996. Paolo Bortoluzzi, ab 1991 Ballettdirektor des Grand-Théâtre de Bordeaux, starb 1993 in Brüssel.

Die Treue von Grischa Barfuss zu seinem Haus und seinem Ensemble erwies sich besonders, als er entsprechende Angebote ablehnte, Intendanzen in Hamburg und München zu übernehmen. Den ästhetischen Stil bestimmten überwiegend die Bühnenbilder von Heinrich Wendel mit ihren Projektionen und die Inszenierungen von Georg Reinhardt. Auch band Barfuss, - wie vor ihm Gustaf Gründgens den bildenden Künstler Robert Pudlich - den Maler und Bildhauer Ewald Mataré in seine Pläne ein. Die Gründer der Gruppe ZERO statteten Ballette aus. 1965 kam Günther Wich als Generalmusikdirektor an die Deutsche Oper am Rhein. Vom Barock bis zur Moderne reichte der Spielplan des Intendanten, der mit künstlerischer Intention und in großem Stil Theatermanagement, wie man heute sagen würde, betrieb. Einige Glanzpunkte seiner Aera: Hindemiths Urfassung Cardillac, 1965, die westdeutsche Erstaufführung von Schönbergs Moses und Aron, 1968, Die Soldaten von Bernd Alois Zimmermann, 1971, Alban Bergs Wozzeck, 1974, die westdeutsche Erstaufführung Der Tod in Venedig von Benjamin Britten, die deutsche Erstaufführung von Rudolf Kelterborns Ein Engel kommt nach Babylon und vieles andere mehr. Die Bedeutung der Deutschen Oper am Rhein zeigen am anschaulichsten die verschiedenen Zyklen, wie die Reihe der Opern Mozarts, der Zyklus Musiktheater im XX. Jahrhundert, der Richard Strauss-Zyklus, Puccini-Zyklus, Wagner-Zyklus, Rossini-Zyklus und, damals außergewöhnlich, sämtliche Opern von Leoš Janáček. Wobei wir bei dem, neben Georg Reinhardt prägenden Regisseur Bohumil Herlischka wären, der nach und nach mit seinen Inszenierungen der Opern Janáčeks die Sichtweise des neuen Musiktheaters vertrat. Zu den Dirigenten, die das enorme Repertoire sowie die wechselweisen Premieren in Düsseldorf und Duisburg leiteten, gehörten neben Günther Wich - und Hiroshi Wakasugi, seinem Nachfolger als Generalmusikdirektor von 1981-1986 - Alberto Erede, Arnold Quennet und Robert Schaub, auch Rafael Frühbeck de Burgos, Marek Janowski, Jiri Kout, Friedemann Layer, Peter Schneider, Horst Stein, Hans Zender und in den letzten Jahren der Intendanz Barfuss der damals junge Christian Thielemann. Auch wurden die Chefdrigenten der beiden städtischen Orchester, der Düsseldorfer Symphoniker und Duisburger Sinfoniker, in den laufenden Opern- und Ballett-Spielplan eingebunden. Im Foyer des Opernhauses Düsseldorf gab es Lesungen, sowie musikalische Matineen.

Da alle Namen hier zu nennen nicht möglich ist, mögen diejenigen Sänger und Sängerinnen für alle anderen hier stehen, deren Karrieren unverwechselbare künstlerische Linien durch ganz Europa und Amerika gezogen haben: Hildegard Behrens, Ingrid Bjoner, Helga Dernesch, Elisabeth Grümmer, Hana Janku, Edda Moser, Jeanne Piland, Trudeliese Schmidt, Rachel Yakar, Ursula Schröder-Feinen, Astrid Varnay, Teresa Zylis-Gara, Hermann Becht, José van Dam, Simon Estes, Thomas Hampson, René Kollo, Zoltan Kelemen, Carlos Krause, Donald McIntyre, Peter Meven, Karl Ridderbusch, Hans Tschammer. Eine ähnliche Liste berühmter Solisten ließe sich auch aus dem Ballett aufstellen.
Die Expansion und der Ruf der Deutschen Oper am Rhein und ihres Balletts ist auch an den Gastspielen zu messen, die zu Festivals in ganz Europa eingeladen wurden, eine überwältigende Zahl, die nur Österreich, Griechenland und einige Länder des Ostblocks ausschließt und deren Ballett Tourneen bis Mexiko und Südamerika reichten.

Zweiundzwanzig Jahre einer Intendanz, von 1964 - 1986, sind eine lange Zeit. Es war damals bereits selten und es wäre heute nicht mehr denkbar. Obwohl noch zum Beispiel Hans Schalla am Schauspielhaus Bochum, Walter Erich Schäfer an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart und Boleslaw Barlog am Schillertheater Berlin zu erwähnen wären. Möglicherweise auch noch der eine oder andere. An der Deutschen Oper am Rhein war jedoch der Zenit der Generalintendanz von Grischa Barfuss überschritten. Die Handschrift der Regisseure Gian-Carlo del Monaco, Hans Neugebauer, Ernst Poettgen, Jean-Pierre Ponnelle, Wolf Völker, Gert Westphal und anderer kannte man. Bohumil Herlischkas Kraft war matt geworden, Georg Reinhardt hatte 1979 die Deutsche Oper am Rhein verlassen. Heinrich Wendel starb 1980, Erich Walter 1983. Ein Wechsel stand an.

1986 - 1996

Professor Kurt Horres, der dritte Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, in Düsseldorf geboren, war an der Universität Köln und am Robert Schumann-Konservatorium in Düsseldorf ausgebildet worden, bevor er an die Komische Oper Berlin zu Walter Felsenstein ging. Mit Horres, der Operndirektor in Lübeck und Wuppertal, Intendant des Staatstheaters Darmstadt und Intendant der Hamburgischen Staatsoper gewesen war, kam zum erstenmal ein ausgewiesener Regisseur und Interpret des zeitgenössischen Musiktheaters als Intendant an die Deutsche Oper am Rhein. Seine Inszenierungen von Ur- und Erstaufführungen, darunter Opern von Boris Blacher, Luigi Dallapiccola, Paul Dessau, Gottfried von Einem, Wolfgang Fortner, Hans Werner Henze, Paul Hindemith, Giselher Klebe, Darius Milhaud, Kryzysztof Penderecki und Udo Zimmermann hatten ihn als ernsten und wegweisenden Erneuerer einer teilweise verflachten und vermeintlich kulinarischen Opernrezeption bekannt gemacht. Er arbeitete außer in Lübeck, Wuppertal und Darmstadt, an den Opernhäusern von Berlin, München, Hamburg, Stuttgart und Wien. Als er an die Deutsche Oper am Rhein seiner Heimatstadt berufen wurde, begann er das Doppelinstitut aus der in den letzten Jahren abgeschotteten Existenz Neuem zu öffnen. Das bedeutete, wie es im Wandel eines Theaters und einer Persönlichkeit liegt, eine andere Konzeption, eine andere Sicht. Kurt Horres eröffnete die Intendanz mit seiner Inszenierung von Wolfgang Fortners Bluthochzeit. Er hatte, guter Tradition verbunden, für die Partie der Mutter, Martha Mödl an die Deutsche Oper am Rhein zurückgeholt, die in den nächsten Jahren ihre außerordentliche Präsenz als geliebte und verehrte Mitte des Ensembles immer wieder bewies. Als Schlußpunkt seiner Inszenierungen dieser zehn Jahre setzte er Alban Bergs Wozzeck.

Von der Hamburgischen Staatsoper verpflichtete Kurt Horres Hans Wallat als neuen Generalmusikdirektor an die Deutsche Oper am Rhein. Die Chefdirigenten der städtischen Symphonieorchester Düsseldorfs und Duisburgs wurden erstmals eingeladen Opern einzustudieren, so Alexander Lazarew, David Shallon, Bruno Weil und vice versa dirigierte der Generalmusikdirektor städtische Konzerte. Zu den Dirigenten der Aera Horres zählten unter anderen, Michael Boder, Fréderic Chaslin, Hans Drewanz, Peter Erckens, Alberto Erede, Peter Gülke, Walter E. Gugerbauer, Bohumil Gregor, Heinrich Hollreiser, Hiroshi Kodama, Siegfried Köhler, Bernhard Kontarsky, Janos Kulka, Fabio Luisi, Yehudi Menuhin, Ingo Metzmacher, Christoph Prick, Christian Thielemann, Neil Varon, Ralf Weikert, der so früh verstorbene Johannes Winkler, Alberto Zedda und Robert Schaub, der von der Gründung der Deutschen Oper am Rhein bis 1993 insgesamt zweitausendneunhundert Vorstellungen dirigierte.
Chordirektor Rudolf Staude formte und leitete von 1960 bis 1996 den exzellenten Chor, dessen besonderer Zusammenklang immer gerühmt wurde. Ballettdirektor und Choreograph Heinz Spoerli übernahm 1991 von Paolo Bortoluzzi die Ballett-Compagnie mit den vielfach geehrten Solisten Monique Janotta und Falco Kapuste, um nur diese beiden stellvertretend zu nennen. Er brachte das Ballett der Deutschen Oper am Rhein zu neuem Glanz und ergänzte seine künstlerischen Creationen mit Arbeiten von Maurice Bejárt, Bernd R. Bienert, Peter Breuer, Niels Christe, Mats Ek, William Forsythe, Hans van Manen, Tom Schilling, Uwe Scholz, Jochen Ulrich, Pierre Wyss. Das Balletthaus in Düsseldorf Oberkassel, hochmodern umgebaut und ausgestattet mit einem neuen Ballettsaal wurde Heinz Spoerlis Reich. Im übrigen bedürfte das Ballett der Deutschen Oper am Rhein einer eigenen ausführlichen Darstellung.

Die Inszenierungen der ersten beiden Jahre der Intendanz von Kurt Horres zündeten explosive Diskussionen. Ein Teil des Publikums verweigerte sich einem anderen Stil und den geistigen Anforderungen des zeitgenössischen Musiktheaters und wollte alles so haben wie in den vergangenen zweiundzwanzig Jahren. Die Türen des Zuschauerraumes wurden während mancher Vorstellungen kräftig von außen zugeschlagen. Doch unbeirrbar verfolgte Kurt Horres mit seinem Team den künstlerischen Anspruch, den er sich gesetzt hatte. Andreas Reinhardt als primus inter pares entwarf klare hohe Bühnenräume, und mit ihm zog - nach den Vorgängern Ruodi Barth, Max Bignens, Walter Gondolf, Jean-Pierre Ponnelle, Heinrich Wendel, Jorge Villareal, Jörg Zimmermann, deren Bildwelten im Repertoire durchaus präsent waren - eine neue Generation von Bühnenbildnern in das Haus: Erich Fischer, Pet Halmen, Xenia Hausner, Pieter Hein, Hans Hoffer, Wilfried Minks, Wolf Münzner, Gottfried Pilz, Hans Schavernoch, Johannes Schütz, Wilfried Werz. Langsam schichtete sich das Publikum in ein mehr mit Jugend durchwachsenes um.

Greift man aus diesen zehn produktiven Jahren einige Inszenierungen heraus,so war der Beginn mit Fortners Bluthochzeit von Kurt Horres programmatisch. Im ersten Jahr auch ging Udo Zimmermanns märchenhafte Weltgeschichte Der Schuhu und die fliegende Prinzessin mit Dale Duesing und Melissa Evans über die Bühne - gefolgt von der Inszenierung Günter Krämers von Erich Wolfgang Korngolds Die tote Stadt als verschattete Kriminalgeschichte à la Hitchcock, mit Agnes Habereder in der Doppelrolle der zwielichtigen Marie/Marietta. John Dew inszenierte eine originelle Margarete von Charles Gounod mit Rachel Yakar in der Titelpartie, Peter Meven als Mephistopheles, und einer zeitbezogenen Breakdance-Walpurgisnacht in der Ausstattung von Gottfried Pilz.
1987 erarbeitete Günter Krämer mit Hans Wallat und der Bühnenbildnerin Xenia Hausner Die Gezeichneten von Franz Schreker mit Trudeliese Schmidt als Malerin Carlotta und William Cochran als Alviano Salvago. Mit dieser Inszenierung gastierte das Ensemble 1988 in Brüssel, 1989 in Wien. Im selben Jahr inszenierte Kurt Horres Offenbachs Hoffmanns Erzählungen in der Bühne von Andreas Reinhardt, die inspiriert die Lust an der Mechanik mit der Aura des Theaters auf dem Theater verband. Alexandru Ionitza war der sich in der Phantasie verlierende Hoffmann, Jürgen Freier sein finsterer Gegenspieler in den vier Bariton-Partien. Wolfgang Fortners In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa, und Udo Zimmermanns Wundersame Schustersfrau wurden von Elmar Fulda in der Bühne von Ruth Schäfer, bezw. Gottfried Pilz, sensibel und effektvoll in Szene gesetzt.

Kurt Horres hatte das ausladende Repertoire aus der Zeit von Grischa Barfuss auf zweiunddreißig Opern verknappt, sowohl aus künstlerischen als auch pragmatisch technischen Gründen. Rund die Hälfte seines Spielplans weist Opern zeitgenössischer Komponisten aus, zum Beispiel Luciano Berio Ein König horcht, inszeniert von Holk Freytag, am Pult Neil Varon, Hanns Werner Hüsch in der Sprechrolle des Freitag, - Hans Werner Henze Die Bassariden, von dem Filmregisseur Bernhard Sinkel in einer subtilen und bildmächtigen Form in Szene gesetzt, Bühne Andreas Reinhardt, Hans Drewanz am Pult - Krzysztof Penderecki Die Teufel von Loudun, in der Regie von Günter Krämer, dirigiert von Janos Kulka. Wie Günter Krämer brachten damals jüngere Regisseure,- Georges Delnon, Eike Gramss, Gerd Heinz, Thomas Schulte-Michels, die ursprünglich vom Schauspiel kamen - immer wieder neue Aspekte ins Spiel. Opernerfahrene Regisseure und Intendanten kamen hinzu: Peter Brenner, August Everding, Michael Hampe, Hans Hollmann, Hellmuth Matiasek.
Pet Halmen
inszenierte Aida, die geheimnisvoll im ägyptischen Museum in Kairo spielte, Wilfried Minks verband ebenfalls Regie und Ausstattung für seine Fledermaus und Johannes Schütz inszenierte und entwarf die Ausstattung für Iphigenie in Aulis.

Kurt Horres bestimmte begreiflicherweise Stil und Richtung seines Hauses. Seine Inszenierungen setzten Schwerpunkte. Dazu gehörten auch die Werke von Giselher Klebe. Dessen Oper Die Räuber, wurde bereits 1957 in der Aera Juch uraufgeführt, Das Märchen von der schönen Lilie 1969/70 in der Intendanz von Grischa Barfuss. Insgesamt wurden sieben Werke von Giselher Klebe an der Deutschen Oper am Rhein ur- und erstaufgeführt. Kurt Horres hatte in Darmstadt Die Fastnachtsbeichte uraufgeführt und in Mannheim Der Jüngste Tag. An der Deutschen Oper am Rhein setzte er 1988 diese Oper nach dem Schauspiel von Ödön von Horvath noch einmal in Szene, in der Bühne von Andreas Reinhardt, mit Hermann Becht und Marie-Claire O'Reirdan, am Pult Hans Wallat. 1992 folgte Jacobowsky und der Oberst, nach dem Schauspiel von Franz Werfel. "Inmitten allfälliger Musicalseligkeit ist Jacobowsky landauf, landab das bei weitem stärkste Theater-Stück, ein Meisterwerk. Großartig spielen die Düsseldorfer Symphoniker unter Walter E. Gugerbauers Leitung, großartig spielen und singen Hermann Becht, Wolfgang Schmidt, Fionnuala McCarthy" war in der Westdeutschen Zeitung am 10.1.1995 nach der Duisburger Premiere zu lesen. Und die Neue Ruhr Zeitung vom selben Tag weist auf ein Kriterium hin, das alle Inszenierungen von Kurt Horres so unverwechselbar auszeichnete: "Wenn es um Schicksalsgemeinschaften bedrängter Menschen geht, wenn leise Trauerarbeit in lauten Zeiten zu leisten ist, dann läuft Kurt Horres als Regisseur zur Hochform auf...Horres kann sich auf ein beglückend engagiertes und intelligentes Ensemble stützen....."
Dank der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen war es möglich, dem Komponisten Giselher Klebe zu seinem 80. Geburtstag den Auftrag für eine Oper zu erteilen. Am 10. November 1995 wurde,inszeniert von August Everding, mit Marta Marquez in der Titelpartie, Gervaise Macquart uraufgeführt, nach dem Roman Der Totschläger von Emile Zola, Libretto Lore Klebe. Musikalische Leitung Janos Kulka, Bühne und Kostüme Andreas Reinhardt. Für Martha Mödl komponierte Giselher Klebe die ergreifende Partie der Mutter Bazouge, die ihre Menschlichkeit den Ärmsten der Armen und ihren Toten erweist.

Während in diversen Städten noch langwierig über Kooperationen von Theatern und Austausch von Produktionen diskutiert wurde, zeigte man längst Vorstellungen des klassischen Balletts der Deutschen Oper am Rhein mit dem Tanzforum Köln abwechselnd in beiden Städten. Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Kurt Horres, am Pult Hans Wallat, wurde über Jahre als Ring am Rhein in Köln, Düsseldorf und Duisburg aufgeführt. In Andreas Reinhardts Bühnenräumen suggestiver Welten von Göttern und Menschen entfaltete sich inmitten der Elemente Wasser, Erde,Firmament und Feuer die entschiedene Sicht des Regisseurs auf das Ringen um die Macht, mithilfe der Lüge, des Betrugs, des Verrats, des Mordes, und die entsprechenden Konsequenzen. Eine der schlüssigsten Interpretationen des Rings überhaupt.

Seit 1986 dokumentierten die Programmhefte zum erstenmal durch gleiches Format und reicheren Inhalt die Gemeinsamkeit der Oper Düsseldorf mit dem Theater der Stadt Duisburg als Deutsche Oper am Rhein. Zuvor hatte das Duisburger Publikum lediglich ein Annoncenheftchen und den Personenzettel erhalten. In diesen neuen Programmheften schrieben Komponisten wie Giselher Klebe, Jürg Baur und Oskar Gottlieb Blarr und Schriftsteller wie Peter Härtling, Walter Jens, Hans Mayer, Herbert Heckmann und andere Originalbeiträge. Gespräche mit Giselher Klebe, Aribert Reimann, Yehudi Menuhin, mit Regisseuren und Dirigenten sind festgehalten und vieles mehr. Auch eine Reihe von Werkstattgesprächen wurde 1986 zum erstenmal eingeführt, insgesamt über achtzig Matineen in beiden Häusern. Über siebzig Exemplare zählt auch die Galerie der Stückplakate aus jener Zeit, welche die Handschrift von Bühnenbildnern und ersten Graphikern zeigen.
Die Foyers des Düsseldorfer Hauses öffneten sich achtundzwanzig Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, darunter die Maler und Bühnenbildner Robert Pudlich und Hein Heckroth, der Maler und Bildhauer Michael Irmer, und die Bühnenbildner Andreas Reinhardt, Johannes Schütz und Wilfried Werz, die Fotografen Michael Dannenmann, Klaus Lefebvre und Eduard Straub und Studierende der Kunstakademie sowie der Fachhochschule Düsseldorf. All dies wurde umgesetzt mithilfe der in Graphik und Ausstellungsdesign erfahrenen Leiterin des Ausstattungsbüros, der Bühnenbildnerin Gerda Zientek. 1990 erschien zum erstenmal eine Theaterzeitung und in ihr die monatliche Rubrik, Das Kurzinterview, in der Politiker und Kulturpolitiker, Industrielle und Wirtschaftsfachleute, Ärzte und Architekten, Künstler und Freunde aus dem Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein befragt wurden, Persönlichkeiten, die im engeren wie weiteren Sinn mit der Deutschen Oper am Rhein in Verbindung standen. Das Pendant dazu waren die in den Programmheften publizierten Gespräche mit Komponisten, Dirigenten, Regisseuren, Bühnen- und Kostümbildnern, mit dem Ensemble, dem Chordirektor, den Direktoren des Balletts, den Choreographen und der Technik. Einhundertzwanzig Interviews und Gespräche wurden aus diesen zehn Jahren ausgewählt und 1996 von der Deutschen Oper am Rhein als Buch publiziert. Bis 1995 stieg die Auflage der Theaterzeitung auf 12.000 Exemplare, die bereits an jedem 20. des Monats vergriffen waren. Nach dem Ende der Intendanz von Professor Horres wurde die monatliche Theaterzeitung der Deutschen Oper am Rhein eingestellt.

Zum erstenmal gab es Kooperationen zwischen der Oper und dem Düsseldorfer Schauspielhaus mit Weihnachten in Lied und Wort, mit der Theatergemeinde, dem Stadtmuseum, der Heinrich Heine-Gesellschaft, Robert Schumann-Gesellschaft, Deutsch-Finnischen Gesellschaft und dreitägige Operntagungen als Symposien der Evangelischen Stadtakademie Düsseldorf.
In Lieder-Abenden sangen unter anderem Francisco Araiza, Dietrich Fischer-Dieskau, Nicolai Gedda, Jochen Kowalski, Kurt Moll und Solisten der Deutschen Oper am Rhein.
In diesem Jahr, 2011, kann die Deutsche Oper am Rhein das fünfzigjährige Bestehen des Opernstudios begehen. 1991 wurde das dreißigjährige Jubiläum gefeiert. In vierzehn Matineen und Opernabenden zeigten von 1986 -1996 die jungen Sänger und Sängerinnen in eigenständigen Inszenierungen ihr Können, abgesehen von den Einstudierungen und Auftritten, die sie an der Seite großer und bühnenerfahrener Kollegen und Kolleginnen im regulären Spielplan absolvierten. Es ist nicht möglich alle Aktivitäten aufzuzählen, doch seien noch die vierzehn Benefizkonzerte und -veranstaltungen für das Deutsche Rote Kreuz, die Gesellschaft zur Bekämpfung der Krebskrankheiten GBK und zugunsten der Opfer des Erdbebens in Japan, 1995, erwähnt. Dazu kamen die Ehrungen - Kurt Horres vergab als erster Intendant der Deutschen Oper am Rhein den Titel Kammersänger und Kammersängerin - die Feiern zu den diversen Bühnen- und Geburtstagsjubiläen wie z. B. für Astrid Varnay, Martha Mödl und Alberto Erede - oder die Ernennungen des Düsseldorfer Oberstadtdirektors Gerd Högener, des Oberbürgermeisters der Stadt Duisburg Josef Krings und von Mitgliedern des Ensembles zu Ehrenmitgliedern. Viel zu danken ist dem Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein, für den jedes Jahr ein festlicher Abend im Opernhaus Düsseldorf veranstaltet wurde. Auch sind zum erstenmal die Premierenfeiern in den Foyers der Düsseldorfer und Duisburger Opernhäuser dem Publikum geöffnet worden. Vergessen sollte man auch nicht, daß in jenen Jahren das Tea-Time-Ensemble mit Konzerten in den Foyers beider Theater ins Leben gerufen wurde, das inzwischen zahlreichen Besuchern Freude und unbeschwerte Stunden beschert hat. Lieder-Abende und -Matineen und Sonderpublikationen ergänzten das begleitende Programm.

Die Spielpläne, die von Claudio Monteverdi bis Wolfgang Rihm reichten, mit 387 Vorstellungen in Düsseldorf und Duisburg pro Saison, gehörten in der Intendanz von Kurt Horres zu den umfangreichsten deutscher Opernhäuser. Undenkbar ohne die intensive Mitarbeit aller Beteiligten - und vor allem undenkbar ohne das Ensemble der Sängerinnen und Sänger, eines der letzten, das in seiner hochstehenden Kultur von Gesangs- und Darstellungskunst diesem Namen wahrhaft Ehre machte. Die Besucher, die sich erinnern können und wollen, werden Kurt Moll als Gurnemanz und Sarastro nicht vergessen, Dale Duesing als durch die Welt streifenden rätselhaften Schuhu, Hermann Becht als listigen Jacobowsky und mit Schuld beladenen Bahnhofsvorstand Hudetz in den Opern von Giselher Klebe, Stefan Heidemann als Don Perlimplin; sie werden nicht Gabriele Schnauts strahlende Brünnhilde vergessen, Wolfgang Schmidt als Siegmund, Tannhäuser und Parsifal, Helmut Pampuch, gefragt an großen Opernhäusern als Mime und Trudeliese Schmidt, die Horres wieder an das Haus zurückgeholt hatte. Sie ließ als Malerin Carlotta in Die Gezeichneten, Priorin Jeanne in Die Teufel von Loudun, als Leokadja Begbick in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Marie in Wozzeck ihre schillernde Darstellung gefährdeter Charaktere mit vehementer Intensität wirksam werden. Jeanne Piland mit ihrem samtenen Mezzo ist unvergeßlich präsent als Glucks Klytämnestra, Monteverdis Ottavia und Massenets Charlotte an der Seite von Manfred Fink als Werther in der konzertanten Aufführung mit dem Kinderchor der Internationalen Japanischen Schule, dessen helle Stimmen mit dem charakteristischen "Noël, Noël" noch im Gedächtnis nachklingen. Man wird sich weiter an die Kultur der Stimmen und attraktiven Erscheinungen erinnern:
Alexandra Coku als Fiordiligi und Gräfin Almaviva, Graciela Araya als Lukrezia und Cenerentola, Fionnuala McCarthy als Pamina, Liu, Poppea, Mimi, Micaela, Marianne in Jacobowsky, Beatrice Niehoff als Braut in Bluthochzeit und als Udo Zimmermanns Wundersame Schustersfrau, Gabriele Reinholz als Dorabella, Hoffmanns Muse und Jenny Hill in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny mit Mario Brell als Jim, Lisa Griffith als Mozarts Susanna, Fortners Belisa und Frieda in Aribert Reimanns Das Schloß, in dem man auch Richard Salter als Franz Kafkas K. nicht aus dem Gedächtnis verlieren kann, in der Inszenierung von Kurt Horres, musikalisch geleitet von Janos Kulka, Bühne Xenia Hausner, die sich Jahre nach ihrer Theaterkarriere wie ihr Vater Rudolf Hausner ganz der Malerei verschrieb. Zwei Wochen nach der Uraufführung 1992 in Berlin, wurde Das Schloß an der Deutschen Oper am Rhein erstaufgeführt. Die genannten Sänger und Sängerinnen mögen hier auch für diejenigen stehen, die in diesem Rahmen nicht genannt werden können. Jede Erwähnung birgt gleichzeitig das Versäumnis, andere, mitunter von gleichem Rang und Namen, nicht erwähnt zu haben.

Man kommt, sagte Voltaire, nur mit wenig Gepäck auf die Nachwelt. Mag sein. Sofern Voltaire Volumen und Qualität des Gepäcks beurteilt. Auch ist es nicht möglich, in diesem Volumen hier alle Namen mitzuführen, die es verdienen und die an anderer Stelle in Bild und Wort gewürdigt wurden und gleichberechtigt in den vielfältigen Verkörperungen ihrer Kunst Bestand haben.

Die Einladungen zu Gastspielen sprechen ihre eigene Sprache. Die Theaterarbeit von Kurt Horres, der unter anderem in Bordeaux, Berlin, Bern, Brüssel, Darmstadt, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Wien inszenierte, wurde international anerkannt. 1987 gastierte die Deutsche Oper am Rhein mit dem Ensemble und beiden Orchestern, den Düsseldorfer Symphonikern und den Duisburger Sinfonikern in Moskau und zeigte im Rahmen dieser größten Repräsentation deutscher Kultur in der UdSSR im Bolschoi-Theater Mozarts Zauberflöte, Webers Freischütz, Wagners Walküre und Fortners Bluthochzeit. Zwei Konzerte im Moskauer Konservatorium kamen hinzu. Das Wort Logistik war in jener Zeit noch nicht so gebräuchlich wie heute, aber es trifft auf das zu, was damals von der Deutschen Oper am Rhein im ersten Jahr einer neuen Intendanz in nur knapp fünf Monaten - denn die Termine datierten noch aus der Aera Barfuss - geleistet wurde. Ein Gastspiel in Moskau - das spricht sich heute so leichthin. Im Jahr 1987 bedeutete der "Aufbruch in den Osten eines der größten kulturellen Unternehmen der Bundesrepublik Deutschland in der sowjetischen Hauptstadt....An den sieben Aufführungen sind insgesamt 500 Personen beteiligt, 200 Musiker, 90 Angehörige des Chors, 40 Gesangsolisten, zehn Schauspieler, 55 Statisten, ein Heer von Technikern, Spielleitern, Beleuchtern, Maskenbildnern, Repetitoren und Souffleusen. Auch der Theaterarzt und drei Dolmetscherinnen reisen mit ", so Die Welt am 23. April 1987. Und damit nicht genug. "Das größte Gastspiel, das ein deutsches Opernhaus jemals im Ostblock gegeben hat...ist gigantisch: von der Neun-Millimeter-Schraube, den Bohrern, Leim und Schraubzwingen über die Perücken, Masken, vier schwarzen Rosen, einem Totenkopf mit Leinentuch, Sargbändern, dem Gebetbuch, einem Laib Brot und einer Hutschachtel - eben die komplette Bühnentechnik und sämtliche Requisiten - mußte alles in Kisten verpackt, verladen und vor allem aufgelistet werden. Denn eine solche Reise bedeutet Unmengen Papier: Alle Schrauben müssen gezählt werden - die Zollbehörden der DDR, Polens und der UdSSR sind genau. Der Papierkrieg macht natürlich erst recht nicht vor dem Waffenarsenal halt: die Pistolen aus Webers Freischütz, die Dolche aus Mozarts Zauberflöte, die Karabiner aus Fortners Bluthochzeit und das Schwert aus Wagners Walküre - alles mußte ordentlich verpackt und notiert werden. Von den Visa für 500 Personen ganz zu schweigen..." schrieb die Rheinische Post am 14. Mai 1987.
Achtzehn Lastwagen kamen nach abenteuerlichen 2500 km in Moskau an. Die Schwierigkeiten, die Professor Horres bewältigte, waren enorm und man kann sie sich heute nicht mehr in ihrem ganzen Ausmaß vorstellen. Chefdisponent Fred Hartmann und Verwaltungsdirektor Dr. Werner Hellfritzsch standen ihm im künstlerischen wie organisatorischen Bereich zur Seite. Abgesehen von der Technik und der, neben dem regulären Spielbetrieb, intensiven Arbeitsleistung sämtlicher Mitglieder. Hilfe und Unterstützung leistete in allen diplomatischen Fragen der deutsche Botschafter in Moskau Dr. Andreas Meyer-Landrut, ein Name, den in der Gegenwart seine Enkelin Lena singend europaweit bekannt macht.

Das Aufsehen, das dieses außergewöhnliche Gastspiel mit den vier Opern und zwei Konzerten in der Sowjetunion erregte, war - als Brücke zur Kultur des Westens erkannt - bedeutend. Die Menschen reisten aus Usbekistan, der Ukraine, aus Georgien an, um zu sehen und zu hören, was ihnen jahrzehntelang vorenthalten worden war. Der Kartenverkauf lief über die staatliche Agentur Intourist, von der zu hören war, daß die Plätze für alle Aufführungen zehnfach hätten verkauft werden können. So kamen sie überwiegend wieder in die Hände devisenstarker Ausländer und der geringere Teil an interessierte Moskowiter. Sie standen in Schlangen vor dem Bolschoi-Theater. Ergreifend war, daß während der Proben die Orchestermusiker des Bolschoi zu Füßen ihrer spielenden deutschen Kollegen im Orchestergraben kauerten, um zum erstenmal diese Opern zu hören. Viele von ihnen sprachen übrigens ausgezeichnet deutsch, das sie an der Lomonossow-Universität gelernt hatten, wenngleich sie natürlich nie im Ausland waren. Auch sah man in den Pausen vor den Portalen des Bolschoi einen Wechsel von Besuchern, die sich für eine Vorstellung einen einzigen Platz teilten. Der Erfolg der beiden Aufführungen Zauberflöte, einer Inszenierung Leopold Lindtbergs, dirigiert von Christof Prick, war überwältigend. Ebenso gelungen war die Resonanz der drei Aufführungen Der Freischütz, inszeniert von Otto Schenk, mit Hans Wallat am Pult. Schwieriger gestaltete sich aus begreiflichen politischen Gründen die Aufnahme der Walküre, eine Inszenierung von Georg Reinhardt, wenngleich am Ende Hans Wallat und die Duisburger Sinfoniker enthusiastisch gefeiert wurden. Die Neue Rheinzeitung berichtete am 25. Mai 1987: "...große Zeitungen wie die Prawda deuten in aller Vorsicht an, daß dieses Gastspiel eine überragende kulturpolitische Bedeutung habe....Ohne Zweifel: In der Sowjetunion, deren Kulturleben jahrzehntelang durch harsche Reglementierungen oft wie gelähmt schien, künden sich neue Zeiten an. In aller Vorsicht zwar, aber unübersehbar. Immerhin waren es die sowjetischen Kulturfunktionäre, die mit dem Freischütz, der Zauberflöte und der Walküre für dieses Gastspiel Werke aussuchten, die hier nicht recht gelitten waren." - "Dagegen hatte es Wolfgang Fortners Bluthochzeit vergleichsweise schwer. Wiewohl es auch im Rückblick wichtig und richtig erscheint, dieses bedeutende Werk der frühen Nachkriegs-Avantgarde in den Gastspielreigen aufzunehmen" schrieb die Westdeutsche Allgemeine. Zu dieser Aufführung, nach der Martha Mödl von russischen Autogrammjägern umlagert war, erschien auch Altbundespräsident Walter Scheel. "Hier als Resümee von einem ersten Brückenschlag zu sprechen, dürfte nicht übertrieben sein. Er hat die Strapazen, Kosten ( 1,2 Mio DM ) und bürokratischen Hindernisläufe, die das bisher größte deutsche Operngastspiel im Ostblock begleiteten, nicht zuletzt deshalb gelohnt, weil er Perspektiven für künftigen Kulturaustausch auftat, über ideologische Grenzen hinweg", so die Westdeutsche Allgemeine am 5. Juni 1987. Am Rande sei noch ein zeitgeschichtliches Kuriosum vermerkt: Als einige Mitglieder in der Nacht vom Bolschoi zum Riesenkomplex des Hotels Rossija, das inzwischen längst abgerissen ist, zurückgingen, wunderten sie sich über ein kleines Flugzeug an der Kreml-Mauer, das bis zu unserer Abreise Rätsel aufgab. Es war die Cessna des Matthias Rust.

Im September 1988 gastierte die Deutsche Oper am Rhein mit Franz Schrekers Die Gezeichneten, in der Inszenierung von Günter Krämer, dirigiert von Hans Wallat, Bühne Xenia Hausner, im Théâtre de la Monnaie in Brüssel und im Juni 1989 bei den Wiener Festwochen im Theater an der Wien.

Noch unmittelbarer als das vierzehntägige Gastspiel der Deutschen Oper am Rhein in Moskau fiel die Einladung und der Aufenthalt in Berlin DDR in einen Zeitpunkt historischer Veränderung. Vom 3.- 8. Oktober 1989 gastierte das Ensemble mit zwei Werken des Musiktheaters mit den unbeabsichtigt beziehungsreichen Titeln in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden: Der Jüngste Tag von Giselher Klebe, inszeniert von Kurt Horres dirigiert von Hans Wallat und Die tote Stadt von Erich Wolfgang Korngold in der Inszenierung von Günter Krämer, Dirigent Hans Wallberg. Wir sahen in unseren Hotelzimmern wie alle Welt im Fernsehen Michail Gorbatschow neben Erich Honecker bei der Militärparade zum 40. Jahrestag der DDR, wir sahen den befohlenen Fackelzug der FDJ Unter den Linden, wir hörten Schüsse in der Gegend des Alexanderplatzes, und ich war, geführt von Westberliner Freunden, in der Gethsemane-Kirche, auf deren Steinboden Dissidenten im Hungerstreik für den Frieden lagen. Es war der Anfang vom Ende der DDR, der mit der Friedensbewegung in Leipzig begonnen hatte.

Ein Jahr später hatte sich die Welt verändert. Das Ballett der Deutschen Oper am Rhein gastierte am 29. und 30. September 1990 im Rahmen der Berliner Festtage des Theaters und der Musik in der Komischen Oper Berlin, ein Haus, das Kurt Horres durch seine Jahre bei Walter Felsenstein besonders vertraut war. Auf dem Programm des ersten Abends standen die Kantate Jauchzet Gott in allen Landen von Johann Sebastian Bach in der Choreographie von Maurice Béjart - Les nuits d'été von Hector Berlioz, choreographiert von Paolo Bortoluzzi und Le Sacre du Printemps von Igor Strawinsky in der Choreographie von Erich Walter. Hiroshi Kodama dirigierte die Duisburger Sinfoniker. Der zweite Abend brachte Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Ballett von Hans van Manen, Jozef Czarnik am Klavier - Clair de lune von Claude Debussy, Choreographie Paolo Bortoluzzi - und zum Schluß wiederum Le Sacre du Printemps. Außerdem war das Ballett der Deutschen Oper am Rhein in den Jahren 1986 - 1996 auf Gastspielen unterwegs in Frankreich: Dijon, Annecy, Sochaux - in Italien: Syracus, Palazzolo, Turin - und gastierte in Luxemburg - und Lausanne.

Ein ähnlich großes Unterfangen wie das Gastspiel der Deutschen Oper am Rhein in Moskau, war die Einladung nach Japan. Vom 18. Oktober bis 12. November 1994 gastierten wir mit vier Aufführungen von Lohengrin, und drei Die Zauberflöte im Aichi Art Theater Nagoya und Bunka Kaikan Tokio. Wechselnde Besetzungen eingeschlossen. So dirigierten Hans Wallat und Walter E. Gugerbauer Lohengrin mit Rene Kollo und Eva Johansson als Elsa, Isolde Elchlepp und Bodo Brinkmann als Ortrud und Telramund - sowie Horst Hoffmann und Beatrice Niehoff und Hermann Becht und Ulla Sippola. Der durch viele Gastdirigate in Japan erfahrene Hans Drewanz dirigierte die Aufführungen Die Zauberflöte, Inszenierung Christian Boesch, Bühne und Kostüme Wilfried Werz. Die Chöre leitete in allen Vorstellungen Rudolf Staude. Kurt Moll war Sarastro, Alejandro Ramirez Tamino, Alexandra Coku/ Fionnuala McCarthy Pamina, Elena Mosuc/ Chihiro Bamba die Königin der Nacht und Stefan Heidemann und Lisa Griffith Papageno und Papagena. Das musikbegeisterte japanische Publikum, das kurz zuvor die Deutsche Oper Berlin zu Gast hatte, honorierte das Ensemble der Deutschen Oper am Rhein mit Enthusiasmus. Eingebunden in dieses Gastspiel waren auch zwei Konzerte der Düsseldorfer Symphoniker in Osaka und Tokio, Dirigent Salvatore Mas-Conde. Der Rückflug mit Lufthansa hielt noch eine besondere Überraschung für uns parat. Unvorhergesehen und unkommentiert war der Luftraum über Rußland gesperrt worden. Unvergeßlich der Flug über den Nordpol und Grönland!

Madrid beschloß die Gastspielreisen der Aera Horres mit der Einladung zum Festival de Otoño 1995. Am 11. und 12. Oktober wurde mit Unterstützung der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Kurt Weill und Bertolt Brecht in der Inszenierung des Generalintendanten im Teatro Lírico Nacional de la Zarzuela gezeigt. Walter E. Gugerbauer dirigierte, Bühne und Kostüme Andreas Reinhardt. Claudia Eder als Begbick, Gabriele Reinholz war Jenny Hill und Mario Brell Jim Mahoney."Während das Japan-Gastspiel von den Symphonikern Düsseldorfs begleitet wurde, spielen in Madrid die Duisburger Sinfoniker. Schönster Beweis für die sinnvolle Zusammenarbeit der Künstler beider Städte," schrieb Kurt Horres in seinem Vorwort des Gastspielführers an seine Mitarbeiter und schloß mit den Worten: Concordia semper.

Inzwischen war allerdings die Concordia Düsseldorfs und Duisburgs seit mehreren Jahren keineswegs mehr so einhellig wie sie einmal gewesen war, wenngleich Josef Krings, Oberbürgermeister der Stadt Duisburg und Bernd Dieckmann, Kulturdezernent Düsseldorfs, sich wo sie konnten für die Deutsche Oper am Rhein einsetzten und den Generalintendanten unterstützten. Duisburg hatte mit Arbeitslosigkeit und der Schließung der Zechen und Stahlwerke zu kämpfen und verringerte seine Zuschüsse und Düsseldorf folgte prozentual den Sparvorgaben. Vom Anfang bis zu den letzten Jahren der Intendanz Horres gab es mehr und mehr Einsparungen, die kulturell aufzufangen ihm aufgrund seiner Flexibilität und Erfahrung immer wieder gelang. Die Auslastung der Deutschen Oper am Rhein betrug immerhin 90%.
Zwei klassische Operetten, Die lustige Witwe mit Trudeliese Schmidt und Christian Boesch im ersten Jahr, Die Fledermaus im letzten, sorgten mit den Musicals Anatevka mit Michael Glücksmann und Martha Mödl, My Fair Lady mit Sona McDonald und Uwe Friedrichsen (als Doolittle) und Kiss me Kate mit Martha Marquez und Manfred Zapatka im leichteren Genre für das amüsierwillige Publikum. Bereits ab 1989 trug man den Einsparungen Rechnung mit jährlich einem konzertant aufgeführten Werk aus den entlegeneren Bereichen der Oper, allerdings mit hochkarätiger Besetzung: zum Beispiel Die Königin von Saba von Karl Goldmark mit Jeanne Piland und dem finnischen Tenor Raimo Sirkiä, Musikalische Leitung Janos Kulka. Enoch zu Guttenberg dirigierte Robert Schumanns Genoveva mit Siegfried Lorenz, Csilla Zentai, Tomas Sunnegardh, Uta Priew - Alberto Zedda La donna del lago von Rossini mit Jeanne Piland und Jane Henschel - und Siegfried Köhler Fürst Igor von Alexander Borodin mit Jürgen Freier und Luana DeVol.
1995 gab es einen besonderen Höhepunkt dieser Reihe: Professor Horres war es gelungen, mithilfe der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen Lord Yehudi Menuhin zu gewinnen, Mozarts Idomeneo konzertant einzustudieren. Der Amerikaner Thomas Moser von der Staatsoper Wien in der Titelpartie, die gebürtige Irin Fionnuala McCarthy als Ilia, Marta Marquez, von Puerto Rico stammend, Idamantes, Alexandra Coku aus Rumänien Elektra und der deutsche Tenor Markus Müller als Arbace beglaubigten einmal mehr die Internationalität eines Opernhauses vom Rang der Deutschen Oper am Rhein und die Einheit eines Ensembles erster Stimmen. Ovationen und der Ausruf in der WZ: Glückliches Düsseldorf! Glückliches Duisburg mochte man hinzufügen.

Was war? Was bleibt? Vielleicht sollte man zuweilen innehalten, um eine mögliche Antwort auf die zweite Frage zu überlegen. Sie zielt auf die Mitte allen künstlerischen Tuns in der so rasch vergehenden Welt der theatralischen Verwandlungen, auf das, was bleibt. Aber - wie könnte etwas bleiben im Wechsel der Personen, Bilder und Geschehnisse? Dieses Wie bestimmt wohl jeder nach den subtilen Eigenheiten des Empfindens und Empfänglichseins. Was die gesamte Arbeit mit dem großen Künstler Yehudi Menuhin so besonders und herausragend machte für alle, die mit ihm umgehen durften, geben seine eigenen Worte am besten wieder: "Alles ist irgendwie auch symbolisch, was wir tun ist nicht nur für den Moment, die Musik trägt mehr in sich und bedeutet eine Kommunikation mit der ganzen Menschheit." Die Kristallisation von Wissen und Emotion sei es, die ein Kunstwerk ausmache. Vieles von seiner Lebensleistung und seinem Lebenswerk ist zeitlos beherzigenswert, darunter der Satz: "Ich bin mit meinem Kopf schon gegen eine Reihe von ideologischen Wänden gerannt, aber die Erfahrung hat mich nicht davon überzeugt, daß die Musik vor der Unversöhnlichkeit der Menschen kuschen muß."

Zu Beginn der letzten Saison von Kurt Horres verabschiedeten sich seine beiden Vorgänger von dieser Welt. Der Gründungsintendant der Deutschen Oper am Rhein, ProfessorDr. Hermann Juch, starb am 12. Juli 1995 im Alter von sechsundachtzig Jahren. Robert Schaub, Ehrenmitglied und Erster Kapellmeister seit der Gründung der Theatergemeinschaft Düsseldorf - Duisburg 1956, erinnerte sich:
" .... Juch verstand es, durch seinen noblen Führungsstil, durch seine Kompetenz und seine reiche Erfahrung auf liebenswürdige Art, aber mit Bestimmtheit die in der ersten Zeit immer wieder auftretenden Schwierigkeiten zu überwinden. Er empfand diese Aufbauphase als persönliche Herausforderung, zumal er sich als gebürtiger Österreicher im Rheinland sehr wohl fühlte. Schon in der zweiten Spielzeit bildete sich aus dem Zuschauerkreis die 'Gesellschaft der Freunde der Deutschen Oper am Rhein', ein Beweis, daß das neue Institut auch vom Publikum voll angenommen worden war....."
Professor Dr. Grischa Barfuss, der von 1964 - 1986 die Deutsche Oper am Rhein geleitet hatte, starb am 28. November 1995 im neunundsiebzigsten Lebensjahr. Am Vormittag des 7. Dezember 1995 fand im Opernhaus Düsseldorf die offizielle Gedenkfeier für diesen bedeutenden Generalintendanten statt, der ein international renommiertes Ensemble an die Deutsche Oper am Rhein zu binden verstand und mit ihm zu seiner Zeit die deutsche Theatergeschichte prägte. Charakteristisch ein Wort von ihm wie dieses: " Wir bedürfen der Kunst, wir bedürfen aber auch einer Wiedergeburt. Einer Wiedergeburt im geistigen Mut, in der Sittlichkeit und in der Freiheit. Diese Werte müssen wir wieder erobern, wenn wir nicht in gefährlichen Illusionen umkommen wollen. Nur in diesem Sinn ist ein Zusammenschluß geistig bewegter und geistig bewegender Menschen zu begrüßen und leidenschaftlich zu bejahen."

"Alles ist Spiel auf Erden.." Mit Verdis Falstaff in der Inszenierung von Michael Hampe, dirigiert von Fabio Luisi, in der Titelpartie John DelCarlo begann die letzte Spielzeit des Generalintendanten Horres, in der er mit ´Wozzeck noch einmal seine Handschrift mit der Interpretation eines Klassikers des zeitgenössischen Musiktheaters zeigte. "Es spricht für Horres' über jeden Einwand erhabene Ernsthaftigkeit, daß er sich kein prunkvolles schmissiges Finale aussuchte, sondern Bergs düsteres Endspiel. Über den Effekt stellte er also die Nachdenklichkeit - als das Ergebnis einer ruhelosen Erkenntnissuche: Wer ist der Mensch?..." schrieb Wolfram Goertz in der Rheinischen Post am 25. 3. 1996.
"Kurt Horres schenkte der Rheinoper zum Abschied einen tief bewegenden 'Wozzeck". Ein Kunstwerk, das alle ergriff und mitriß. Dies bleibt unvergeßlich. Kurt Horres will nicht rühren, er bewegt. Dazu trägt auch Bernhard Kontarskys Dirigat bei, der neben dem liedhaft Kammermusikalischen eindringlich auch das Zerklüftete herausarbeitete...worin ihm die Duisburger Sinfoniker mit bewundernswerter Genauigkeit und Schönheit folgen. In Hermann Becht fand Horres einen Wozzeck von außergewöhnlichem Format. Nicht minder ungewöhnlich tief dringt Trudeliese Schmidt in die Hoffnungs- und Heimatlosigkeit der Marie ein. Ausgefeilt die Porträts des zynisch zupackenden Doktors (Peter-Nikolaus Kante) und des eitlen Hauptmannes (Alexandru Ionitza)..." so die Betrachtung von Sophia Willems am 25.3. 1996 in der Westdeutschen Zeitung.

In dieser letzten Spielzeit 1995/1996 setzte die Uraufführung des Auftragswerks von Giselher Klebe Gervaise Macquart, Dirigent Janos Kulka, Inszenierung August Everding einen weiteren gravierenden Schlußpunkt. Zwei Aufführungen in konzertanter Version ließen in dieser Saison das rigide Korsett der Einsparungen besonders deutlich werden: Tristan und Isolde mit Wolfgang Schmidt, Sabine Hass und Kurt Moll, am Pult Hans Wallat - und Trionfo di Afrodite und Carmina Burana, mit Alexandra Coku, Manfred Fink und Stefan Heidemann, Musikalische Leitung Bruno Weil. Einen heiteren Ausklang bewirkten Die Fledermaus mit Wallat und Wilfried Minks und zwei Ballette, eines von Erich Walter und eines von Heinz Spoerli, der danach in die Schweiz entschwand.

Die Römer hatten einen markanten Spruch: stat pro ratione voluntas - anstelle der Vernunft steht der Wille! Ein anscheinend unterschwellig vorhandenes Ressentiment gegen die sogenannte Hochkultur und der eiserne Sparwille, der mithilfe eines musiktheaterfremden Gutachtens der Unternehmensberatung Kienbaum zementiert wurde, setzten sich durch - ohne Rücksicht auf ein über Jahrzehnte klug aufgebautes und gewachsenes künstlerisches Zwei-Städte-Theater mit einer nicht unschwierigen Organisationsform und einem hochmusikalisch aufeinander abgestimmten Ensemble. Das bedeutete das Ende dieser Aera. Die Platzausnutzung der Deutschen Oper am Rhein betrug zu diesem Zeitpunkt, Januar 1995, im Opernhaus Düsseldorf 97 %!
Wenig verständlich fand Professor August Everding, damals Präsident des deutschen Bühnenvereins, die Einlassung der Städte mit einem so "unseligen Gutachten", das eine Umstrukturierung verlange: "...man möge die Theater vor solchen Gutachtern schützen, sie achten kein Gut, sie ächten Gut."
Kurt Horres, der die Quadratur des Kreises bewerkstelligen sollte, bei weiter drastisch reduziertem Haushalt den hohen künstlerischen Grad zu halten, wollte von seinem Anspruch nicht abgehen und zog sich zurück. Ein unbeugsamer Generalintendant und herausragender Regisseur, der stets für sein Haus und sein Ensemble gekämpft hatte, trat ab. Kurt Horres inszenierte danach als Gastregisseur in München, Frankfurt, Chicago. Mit ihm wanderte ein Teil der Künstlerinnen und Künstler der Deutschen Oper am Rhein zu anderen Bühnen ab.

1996 - 2009

Professor Tobias Richter, gebürtiger Schweizer, Intendant im ständig von Finanznöten gebeutelten Bremen, übernahm 1996 die Generalintendanz der Deutschen Oper am Rhein und damit die Aufgabe, wenn schon nicht gerade das Beste, so doch das in der Situation notwendig Erscheinende zu machen. Daß es sich um eine Zäsur in dem überregional anerkannten Niveau der Institution handelte, stellte sich alsbald ein. Die Vorstellungen wurden in dieser Zeit von 387 Aufführungen um achtzig verringert, das Ensemble von vierundsiebzig auf vierundsechzig Mitglieder reduziert. Die Deutsche Oper am Rhein wurde vorerst nicht mehr von einer künstlerischen Persönlichkeit geprägt, sondern von finanziellen Zwängen bestimmt. Das bedeutete den Verlust eigenständiger Inszenierungen, die bisher die Deutsche Oper am Rhein unverwechselbar gemacht hatten, zugunsten eingekaufter Produktionen, die andernorts bereits abgespielt waren. Auch wurden Stücke ausgetauscht: so kam eine Butterfly von Robert Carsen von Gent und Antwerpen an den Rhein und Hans Hollmanns Tannhäuser reiste nach Belgien. Peter Mussbachs Inszenierung von Manfred Trojahns Oper nach Shakespeares Was ihr wollt, wurde nach der Uraufführung in der Bayerischen Staatsoper München an der Deutschen Oper am Rhein gezeigt. Es gab Koproduktionen mit Monte Carlo und Genf, Aufführungen von Pfitzners Palestrina, inszeniert von Nikolaus Lehnhoff, die zuvor in Covent Garden und dem Teatro dell'Opera in Rom auf dem Spielplanstanden und Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen, im Teatro Malibran in Venedig von Benno Besson in Szene gesetzt. Tobias Richter zeigte 2003 einen von ihm 1994 in Straßburg inszenierten Don Giovanni und Jérôme Savary eine Carmen der Pariser Opéra Comique, die auch in Turin über die Bühne gegangen war. Aus dem einstmaligen Tempel der Hochkultur, der etwa in Produktionen von Reinhardt/Wendel oder Kurt Horres schon durch die optische Erscheinungsweise eine verbindliche Stilhöhenebene suggerierte, ist ein Basar geworden ....schrieb Ulrich Schreiber in dem opulenten Band zum fünfzigjährigen Jubiläum der Deutschen Oper am Rhein, 2006.

Gemessen an der langjährigen Zusammenarbeit, sowohl des künstlerischen Teams um Grischa Barfuss als auch der Mitarbeiter um Kurt Horres, wurde es nun in den Chefetagen unruhiger. Auf GMD Hans Wallat, den die Düsseldorfer Symponiker zum Ehrendirigenten ernannten, folgten Zoltán Peskó und 1999 John Fiore. Müßig zu erwähnen, daß auch Jonathan Darlington, Chefdirigent der Duisburger Sinfoniker, guter Tradition von Horres folgend, in den laufenden Opernbetrieb eingebunden wurde.
Ab 2001 firmierten die Duisburger Sinfoniker übrigens als Duisburger Philharmoniker. Direktor Dr. Werner Hellfritzsch schied 2003 aus und Jochen Grote übernahm seine Position. Youri Vamos wurde nach Heinz Spoerli ab 1996 Ballettdirektor und auf Chordirektor Rudolf Staude, der nach über fünfdreißig Jahren produktiver Tätigkeit in den Ruhestand ging, folgten Volkmar Olbrich und nach drei Jahren Gerhard Michalski. Chefdisponent Stephen Harrison aus Horres Zeiten wurde Künstlerischer Betriebsdirektor. In der Dramaturgie dieses fordernden Doppelinstituts gab es den größten Wechsel. Mein Nachfolger als Chefdramaturg wurde 1996 der frühere Kölner Dramaturg und Librettist Claus H. Henneberg. Er starb Anfang 1998 und Timothy Coleman übernahm die Position, um sie 1999 bereits an Michael Leinert abzugeben, den ehemaligen Intendanten des Staatstheaters Kassel, der bis 2006 blieb. Nach ihm kam Dr. Hella Bartnig von der Staatsoper Dresden.

Es wäre nicht gerechtfertigt zu verschweigen, daß inzwischen auch gesellschaftlich andere Zeiten mit anderen Vorlieben entstanden waren. Die Tendenzen der Kommunen radikal zu sparen, entsprachen allerdings nicht unbedingt dem Geschmack einer zumindest in Düsseldorf, dem Anschein nach keineswegs sparenden sogenannten Spaßgesellschaft. "Events" wurden Mode und da Konzeption und Stil zugunsten von möglichst bunter Abwechslung ohnehin nicht mehr gefragt zu sein schienen, akzeptierte man das, was einem von anderswo, wenn auch aus zweiter Hand, als international vorgesetzt wurde. Dazu kamen andere Sensationen, wenn auch nicht immer besonders geglückte, zum Beispiel 1998 die Uraufführung Beuys von Franz Hummel in der über 130 m langen Rheinmetall-Halle Düsseldorf, bestückt mit drei alten Dieselloks und Güter- und Personenwagen, Musikalische Leitung Wen-Pin Chien, Inszenierung Hermann Schneider, Raum Jannis Kounellis. Die Produktion wurde anschließend bei den Wiener Festwochen gezeigt.
Oder: Das Rheingold und Die Walküre der nächsten Saison, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in der Kraftzentrale des Krupp-Hüttenwerks Duisburg-Meiderich. Hans Wallat dirigierte, die szenische Realisation lag bei Tobias Richter und der Technische Direktor Matthias Nitsche verantwortete die Bild- und Raumkonzeption. Der Gunst des Publikums war der spektakuläre Auftritt von Wotans Töchtern geschuldet: hoch zu Roß erschienen Reiterinnen einer Reiterstaffel, während die Wagnerschen Walküren singend auf dem Boden der Fabrik-Halle blieben. Der begonnene Ring des Nibelungen wurde allerdings nicht vollendet, wie Ulrich Schreiber anmerkte, der Sponsor habe sich nach diesen beiden Premieren zurückgezogen. Etwas später nahm Tobias Richter den Ring-Zyklus in der Inszenierung von Kurt Horres wieder ins Repertoire. Apropos Sponsering: zum einhundertjährigen Jubiläum des Chemiekonzerns Henkel, mit der bekannten Weißen Dame als Reklame, kam 2001 die selten gespielte Oper von François-Adrien Boieldieu La Dame blanche auf die Bühne, dirigiert von Baldo Podic, inszeniert von Tobias Richter, Bühne Johannes Leiacker.

Überregional äußerst positiv beurteilt wurde die Deutsche Erstaufführung der Oper Drei Schwestern von Peter Eötvös, 1999, dirigiert von Wen-Pin-Chien und Günther Albers ( zwei Orchester), inszeniert von Inga Levant, Bühne Johannes Schütz. Von unterschiedlicher Resonanz waren dagegen zwei Uraufführungen: problematisch das Auftragswerk Madame la Peste von Gerhard Stäbler, 2002, Musikalische Leitung Günter Albers, Inszenierung Elmar Fulda, Bühne Florian Parbs, und erfolgreich das Auftragswerk Vipern von Christian Jost, dirigiert von John Fiore, Inszenierung Eike Gramss, Bühne Gottfried Pilz. Erst- und Uraufführungen von Giorgio Battistelli und Mauricio Kagel ergänzten den Spielplan des zeitgenössischen Musiktheaters.
Hatte Kurt Horres aus Respekt vor dem Janáček-Zyklus seines Vorgängers Grischa Barfuss in Düsseldorf auf Opern dieses Komponisten verzichtet, so konnte Tobias Richter sie nun wieder auf den Spielplan setzen. 1996 begann in der Regie von Stein Winge die Reihe der Janáček-Aufführungen, in tschechischer Sprache: Katja Kabanowa mit Clarry Bartha und Helga Dernesch als Kabanicha, Musikalische Leitung Hans Wallat - Jenufa mit Trudeliese Schmidt als Küsterin, 1998, Dirigent Jonathan Darlington - sowie im Jahr 2000 Die Sache Makropulos mit Gitta-Maria Sjöberg, und 2001 Das schlaue Füchslein mit Marlis Petersen, Dirigent beider Opern John Fiore.
Neben den Arbeiten von Stein Winge erzielte Christof Loy mit einer 1997 inszenierten Manon von Jules Massenet einen überregionalen Erfolg, am Pult Baldo Podic, Bühne Herbert Murauer. Die Titelpartie sang Alexandra von der Weth, die in den nächsten Jahren mit eindrucksvoller Stimme und effektvoller Bühnenpräsenz als Traviata, Lucia di Lammermoor, Lulu und Norma brillierte. Sergej Khomov war ihr herausragender Partner als Des Grieux, Alfredo, Edgardo und in weiteren Tenor-Partien. Zu den Inszenierungen Christof Loys, der während der Generalintendanz von Tobias Richter das Musiktheater in Düsseldorf-Duisburg weitgehend prägte, zählte auch der fünfaktige Don Carlos zum 100. Geburtstag von Giuseppe Verdi.
Viel diskutierte man überdies die spektakuläre Premiere von Hector Berlioz' Les Troyens, in der das Publikum zwischen dem 2. und 3. Akt in Bussen von Duisburg nach Düsseldorf, beziehungsweise der Handlung folgend von Troja nach Karthago chauffiert wurde. Eine glücklichere Hand hatte Loy offenbar mit seiner Monteverdi-Trias: L'Orfeo, 2001 - Il ritorno d'Ulisse in patria, 2003, - und L'incoronazione di Poppea, 2004.

Inzwischen war das Düsseldorfer Opernhaus dringend der Sanierungbedürftig. Der Spielbetrieb mußte im Frühjahr 2006 eingestellt werden. Während der Umbauten zog das Ensemble in ein neu errichtetes Provisorium namens RheinOperMobil, einen der Shakespeare-Bühne angenäherten Holzbau in der Nähe des Düsseldorfer Landtags. Am 18. August 2007 wurde das Opernhaus Düsseldorf mit Verdis La Traviata wiedereröffnet. 2006 war auch das Jubiläumsjahr der Gründung der Deutschen Oper am Rhein vor fünfzig Jahren, das festlich begangen wurde, unter anderem mit der erwähnten Publikation DOR 50 Jahre Musiktheater - Deutsche Oper am Rhein 1956-2006. Dem Text- und Bildteil liegen auch zwei CDs mit achtzehn Tondokumenten bei, ausgewählt von Thomas Voigt, darunter ein einziges Beispiel aus der Aera von Kurt Horres. Thomas Voigt begründet dies mit "dürftiger Klangqualität" und: "Außerdem hatte ich bei manchen Aufführungen, beispielsweise Korngolds Die tote Stadt den Eindruck, daß sie eher szenisch als sängerisch von Bedeutung waren.Trudeliese Schmidt, William Cochran und in anderen Aufführungen Gabriele Schnaut, Fionnuala McCarthy, Hermann Becht, Richard Salter, Wolfgang Schmidt, Kurt Moll -"eher szenisch als sängerisch von Bedeutung" ??
Im übrigen war der kompetente Tonmeister und Leiter der Abteilung Tontechnik der Deutschen Oper am Rhein in der Generalintendanz von Kurt Horres als auch bei Tobias Richter tätig und ist es bis heute. Eine "dürftige Klangqualität" ist daher bei ihm nicht vorstellbar. Es muß also wohl an etwas anderem gelegen haben.

Aber zurück zum Thema. Eine der letzten spektakulären Veranstaltungen der Generalintendanz Tobias Richter war die Uraufführung des Auftragswerks The Fashion von Giorgio Battistelli am 26. Januar 2008, ein Zugeständnis an die Modestadt Düsseldorf. Die zwanzigste Oper des italienischen Komponisten, dirigiert von John Fiore, inszeniert von Michael Simon, ging, laut Ulrike Gondorf im Deutschlandradio Kultur, als "Farce" und "absurd übersteigerte Satire auf die Eitelkeiten und Hysterien der Modebranche" über die Bühne.

Die Beiprogramme und Sonderveranstaltungen, wie Werkstattgespräche und Einführungen in Opern, die Foyerkonzerte, Ausstellungen und die Zusammenarbeit mit anderen Düsseldorfer Institutionen etcetera, die in der Aera Horres zum erstenmal eingeführt worden waren, wurden auch in der Intendanz von Tobias Richter zum Teil beibehalten. Den großen Einsparungen zuzurechnen ist, daß die jungen Sänger und Sängerinnen des Opernstudios mehr und mehr Gelegenheit bekamen, sich mit eigenen Aufführungen innerhalb des Spielplans zu präsentieren, überwiegend im Theater der Stadt Duisburg. Neu waren die Premieren der Opern für Kinder: Freischütz, Figaro und Cendrillon. Einladungen zu Gastspielen bezogen sich hauptsächlich auf die Ballettcompagnie von Youri Vamos zu diversen Ballett-Festivals in der Schweiz, Italien, Holland und Polen bis nach Peking. Das Opernensemble gastierte mit Beuys in Wien, mit dem Fliegenden Holländer in Shanghai, mit Aufführungen Die Meistersinger von Nürnberg und Der Rosenkavalier bei dem finnischen Savonlinna-Opera-Festival, mit Telemaco in Schwetzingen und Il ritorno d'Ulisse in patria in Montreux. Der Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Kurt Horres wurde in Prag präsentiert.

2007 stellte der Aufsichtsrat der Deutschen Oper am Rhein der Presse Christoph Meyer als künftigen Generalintendanten vor.
Tobias Richter wurde 2009 zum Intendanten des Grand Théâtre de Genève berufen.

Was war? Was bleibt? Es bleibt die durch mehr als fünf Jahrzehnte beständige Theatergemeinschaft zweier Städte im Opernhaus Düsseldorf und dem Theater der Stadt Duisburg, eine Verbindung, die in guten und weniger guten Zeiten finanzieller und kulturpolitischer Art kraft künstlerischer Intentionen gehalten hat. In dreiundfünfzig Jahren gab es lediglich vier Generalintendanten, die mit unterschiedlichen Prägungen von Verantwortungsbewußtsein und Konsequenz zu ihrer Aufgabe, standen, zwei von ihnen Regisseure. In einer Zeit, in der es zunehmend üblich wurde sich von Karussell zu Karussell zu schwingen, steuerten sie mit mehr oder weniger Fortune dieses komplizierte Gebilde lebendiger Kunst auf den Wellen der Zustimmung, aber auch zuweilen durch die Gefahren des Unverständnisses. Getragen wurde und wird die Deutsche Oper am Rhein von Künstlerinnen und Künstlern, die unvergessen in der Erinnerung leben und in der Gegenwart präsent sind. Sie begleiten als inspirierte und inspirierende Gestalten des Musiktheaters diese Voyage durch die sinnliche und sinnbildliche Welt der Bühne. Das Signum der Deutschen Oper am Rhein findet sich durch das Können und die Ausstrahlung des Ensembles in der ganzen Welt.

2009 -

Christoph Meyer, seit der Spielzeit 2009/2010 Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein, war zuvor Betriebsdirektor und Operndirektor der Oper Leipzig. Geschäftsführender Direktor Jochen Grote. Generalmusikdirektor Axel Kober; Ballettdirektor und Chefchoreograph Martin Schläpfer leitet das Ballett am Rhein. Es wird auf die aktuelle Website und die laufenden Veröffentlichungen der Deutschen Oper am Rhein und des Balletts am Rhein verwiesen. -

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Dr. Vita Huber-Hering
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Quellenangabe:
 
Die Deutsche Oper am Rhein 1964-1986 Eine Dokumentation
Hoch-Verlag GmbH Düsseldorf
Redaktion Rolf Trouwborst, Dr. Ilka Kügler, Gerda Plümacher
Grafik und Gestaltung Gerda Zientek

Heinrich Riemenschneider Theatergeschichte der Stadt Düsseldorf
Hrsg. vom Kulturamt der Stadt Düsseldorf, 2 Bände
Goethe-Buchhandlung Teubig Düsseldorf 1987

Das Gastspiel in Moskau Deutsche Oper am Rhein

18.- 31. Mai 1987
Herausgegeben von der Deutschen Oper am Rhein
Redaktion Dr. Vita Huber Fotodokumentation Michael Dannenmann
Grafik Gerda Zientek
Druck Conrad Kayser Hamburg 1988

1986 - 1996 Deutsche Oper am Rhein

Herausgeber Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg
Gestaltung Kurt Horres, Benedikt Holtbernd, Gerda Zientek
Reproduktionen Eduard Straub
Heinrich Anthes Buchdruckerei Darmstadt, 1995

Interviews und Gespräche 1986 -1996
Herausgeber Deutsche Oper am Rhein
Generalintendant Prof. Kurt Horres
Redaktion Dr. Vita Huber
Graphische Gestaltung Gerda Zientek
Heinrich Anthes Buchdruckerei Darmstadt 1996

Theaterzeitungen der Deutschen Oper am Rhein
von 1990 - 1996

DOR 50 Jahre Musiktheater Deutsche Oper am Rhein 1956-2006
Herausgeber Prof. Tobias Richter, Generalintendant
Jochen Grote, Geschäftsführender Direktor
Redaktion Michael Leinert, Reinhard Manter
Deutsche Oper am Rhein
Theatergemeinschaft Düsseldorf-Duisburg
und DuMont Literatur und Kunstverlag 2006

Privatarchiv Dr. Huber-Hering, Darmstadt

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